MedienNutzung

Fake News: Wer einmal lügt, dem glaubt man weiterhin

Warum Fake News an Propaganda erinnern und wer davon im Wahlkampf profitiert: Ein Rückblick auf die Podiumsdiskussionen der Forschungsgruppe Medienwandel am 23. November im Saal der Salzburger Nachrichten.

Wir befänden uns in einem Propagandakampf, stellte Judith Denkmayr fest. Die Social-Media-Expertin der Rechercheplattform „Addendum“ diskutierte am Donnerstag im SN-Saal gemeinsam mit Fachleuten aus Journalismus und Wissenschaft über Fake News, P1060857Social Bots und neue Medien im Wahlkampf. Fake News, also bewusste Falschmeldungen, würden in erster Linie geschaffen, um zu manipulieren. Es handle sich um einen Teufelskreis, waren sich die Experten einig: Fake News verbreiten sich immer weiter, auch wenn sie widerlegt werden. Die Medien würden das ganze noch schlimmer machen, indem sie Themen aus dem Netz aufgreifen, kritisierte André Wolf von Mimikama, einem Verein zur Aufdeckung von Fake News. Außerdem seien weniger die jungen Internet-User das Problem, sondern „die Männer ab 40“.

Der Hamburger Kommunikationswissenschafter Uwe Hasebrink plädierte für Aufklärung vonseiten der Medien: „Das ist mühsam, aber daran führt kein Weg vorbei.“

Auch abseits von Fake News sei die politische Rolle von sozialen Netzwerken nicht zu P1060831unterschätzen. Von den Facebook-Mechanismen profitieren können etwa rechtspopulistische Parteien, erläuterte der Politikwissenschafter Marcelo Jenny: „Sie kompensieren die Aufmerksamkeit, die ihnen die Medien nicht schenken.“ Umlegen auf Wahlergebnisse könne man das aber nicht. Dann hätte nämlich die Alternative für Deutschland (AfD) den deutschen Wahlkampf haushoch gewonnen.

Studenten luden in den SN-Saal

Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Fake News, Bots und digitaler Wandel“. Gemeinsam mit den „Salzburger Nachrichten“ lud die Forschungsgruppe Medienwandel P1060845der Universität Salzburg am Donnerstag, dem 23. November, namhafte Experten zu zwei Podiumsdiskussionen. Moderiert wurden die Runden von SN-Chefredakteur Manfred Perterer und SN-Medienjournalist Ralf Hillebrand. Für Gesprächsstoff auf den Podien sorgten neueste Forschungsergebnisse von Master-Studierenden der Kommunikationswissenschaft. Der Alumni-Verein Friends of Kowi vergab zudem Förderpreise an herausragende Exposés für Abschlussarbeiten.

Den Abend zum Nachhören gibt’s unter folgendem Link: Fake News: Wer einmal lügt, dem glaubt man weiterhin

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Liebe „News“ – das ging zu weit!

Sich in die Privatsphäre trauernder Familien zu schleichen ist ein Tabu, das zur bitteren Realität wurde. Einem News-Journalisten wird vorgeworfen, sich Zutritt zu einem Flüchtlingsquartier verschafft zu haben, in dem sich ein 11-jähriger Asylwerber das Leben nahm. Die Diakonie hat beim Presserat Beschwerde gegen derartige Suizidberichterstattung eingelegt.

pic1Ein kürzlich veröffentlichter Artikel des Magazins „News“ sorgte für große Empörung. Die Recherche des Reporters greift in die Privatsphäre der Familie des Flüchtlingsjungen ein, der kürzlich Suizid begangen hat. „Veröffentlichung von Gerüchten und Spekulationen über die Hintergründe sind fehl am Platz“, so der Presserat. Diakonie-Mitarbeiter beschwerten sich beim Presserat über den Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz. Journalisten sollen unangemeldet ins Badener Paul-Weiland-Haus eingestiegen sein, wo der 11-jährige Bub mit seinen sechs Geschwistern gelebt hat. Das Team der Diakonie hatte den Presseleuten das Betreten des Flüchtlingsquartiers deutlich untersagt. Der veröffentlichte Artikel enthält Privatfotos der Familie sowie Vornamen, die sie identifizierbar machen. Mögliche Hintergründe für den Selbstmord seien die Obsorge für seine sechs Geschwister und ein Ladendiebstahl. Die Kritik des Presserats an der Suizidberichterstattung ist unmissverständlich: „Die Fokussierung auf eine Ursache sollte unterbleiben“.

Die Medienanwältin Maria Windhager spricht von einem „Verstoß gegen den postmortalen Persönlichkeitsschutz“ durch die nähere Beschreibung des verstorbenen Jungen. „Es tut uns leid. Wir wollten die Seite der Familie nachzeichnen und niemanden verletzen“, verteidigt sich die News-Chefredakteurin Esther Mitterstieler.

Das Thema Suizid verlangt besonders große journalistische Sorgfalt, um die Gefahr einer Nachahmung einzudämmen. Detaillierte biographische Daten zu veröffentlichen ist nicht akzeptabel. Aber genau das ist in diesem Fall geschehen. Das „News“-Magazin hat den Ehrenkodex der österreichischen Presse anerkannt und nimmt am Presserat teil. Die Beschwerde der Diakonie über die Berichterstattung ist angemessen. Der postmortale Persönlichkeitsschutz beinhaltet den Schutz der Privatsphäre, der hier klar missachtet wurde.

Wo soll das nur hinführen? Wird das Missachten der Privatsphäre gar zu einem Merkmal des modernen Journalismus? Die Preisgabe der Identität des Opfers oder der Angehörigen darf nicht Teil der Story sein.

Von Katharina Hafner, Alina Schober und Aylin Celebi

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Quellen:

Vienna Online (2017): 11-jähriger Flüchtling beging in Baden Selbstmord. Online im Internet unter http://www.vienna.at/11-jaehriger-fluechtling-beging-in-baden-selbstmord/5556624 (27.11.2017).

Standard Online (2017): „News“-Cover „Tot mit elf“: Diakonie will Magazin vor Presserat bringen. Online im Internet unter http://derstandard.at/2000068458577/News-Cover-Tot-mit-elf-Diakonie-will-Magazin-vor-Presserat (27.11.2017).

Foto: pixabay.com

 

 

Einladung: „Fake News, Bots und digitaler Überfluss“

Wie neue Medien unsere Demokratie verändern.

Plakat Uni_A5_MailversandUnter diesem Titel finden am 23. November 2017 ab 18.00 Uhr zwei Podiumsdiskussionen zu den Ursachen von Fake News und deren Auswirkungen auf Wahlen statt. Im Saal der Salzburger Nachrichten diskutieren unter der Leitung von Chefredakteur Manfred Perterer und Medienjournalist Ralf Hillebrand unter anderem folgende Gäste:

 

 

  • Judith Denkmayr (Addendum)
  • Uwe Hasebrink (Universität Hamburg)
  • Sonja Messner (Institut für Medienbildung)
  • Stephanie Pack (Salzburger Nachrichten)
  • Stefanie Ruep (Standard)
  • Claudia Schäfer (ZARA)
  • Max Schubert (ISPA) und
  • André Wolf (Mimikama).

Kurzpräsentationen wissenschaftlicher Untersuchungen von uns, leiten die Podiumsdiskussionen ein.

An diesem Abend verleiht der Alumni-Verein „Friends of Kowi“ auch den Forschungsnachwuchspreis.

Die beiden Podiumsdiskussionen werden von uns, der „Forschungsgruppe Medienwandel“ am Fachbereich Kommunikationswissenschaft gemeinsam mit den Salzburger Nachrichten veranstaltet.

Nähere Informationen zur Veranstaltung und Ticketreservierungen finden Sie hier.

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Aus für die Freiheit der US-Medien?

Trump macht ernst. Er möchte Fake-News eindämmen, indem er Medien mit dem Entzug der Lizenz droht. Der Auslöser: Ein Bericht über das US-Atomwaffenprogramm.

shield-2854067_1920Fake-News haben seit der letzten Präsidentschaftswahl an Bekanntheit gewonnen. Der US-Präsident Donald Trump hat Medien wiederholt vorgeworfen, Falschnachrichten verbreitet zu haben. Dagegen möchte dieser jetzt endgültig vorgehen. In seinem Twitter-Post vom 11. Oktober 2017 kritisiert er den Fernsehsender NBC und droht,diesem und anderen Medien die Lizenz zu entziehen. Trump postete, es sei angesichts der Falschnachrichten, die von NBC und den Netzwerken veröffentlicht wurden,angebracht,ihre Lizenzen infrage zu stellen. Die Senderkette hat sich zu diesem Posting noch nicht geäußert.

Der Auslöser für diesen Post war die Darstellung von NBC, wonach Trump eine massive Aufstockung des US-Atomwaffenarsenals gefordert habe. Im Juli dieses Jahres hat sich der Präsident mit Sicherheitsberatern getroffen, um das Atomwaffenarsenal der USA zu besprechen. NBC berichtete, der Präsident wolle das Arsenal um knapp das Zehnfache aufstocken. Trump qualifiziert diesen Bericht als „pure Fiktion“.

Aus kommunikationswissenschaftlicher und demokratischer Sicht ist es untragbar, Medienkonzernen die Lizenz wegen deren Berichterstattung zu entziehen. In den Vereinigten Staaten schützt der Erste Verfassungszusatzdie Meinungsfreiheit vor Zensur. Darauf macht auch die Aufsichtsbehörde aufmerksam: „Unsere Rolle bei der Programmaufsicht ist sehr begrenzt.“

Trumps radikales Vorgehen nährt den Verdacht, dass er nicht Falschmeldungen eindämmen, sondern missliebige Medien stilllegen möchte. Ein zentraler Pfeiler moderner Demokratienist die Presse- und Meinungsfreiheit, an dem ein derartigeresVorgehen in unerhörter Weise rüttelt.

Von Aylin CelebiKatharina Hafner und Alina Schober

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Quellen:

Standard Online (2017): Trump stellt Lizenzen für „Fake News“-Sender infrage. Online im Internet unter http://derstandard.at/2000065843423/Trump-stellt-Lizenzen-fuer-Fake-News-Sender-infrage (23.10.2017).

Zeit Online (2017): Donald Trump stellt Lizenzen für Privatsender in Frage. Online im Internet unter http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-10/fake-news-donald-trump-kritik-berichterstattung-atomwaffenarsenal (23.10.2017).

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Wettkampf statt Inhalte: Politberichte in neuem Stil

Dirty Campaigning, Spitzel- und Bestechungsvorwürfe, Klagen: Vergangenen Sonntag ging ein besonders schmutziger Nationalrats-Wahlkampf in Österreich zu Ende. Boulevardzeitungen mischten in dieser turbulenten Zeit politisch mit.

papierbootIn diesem Wahlkampf standen Skandale statt Inhalte im Fokus der Medienberichterstattung. Vor allem Boulevardblätter wie die „Kronen Zeitung“ und „Österreich“ verfingen sich im sogenannten Horse-Race-Journalismus. Diese Bezeichnung steht für eine Berichterstattung,  die sich mit politischem Wettbewerb und Konfrontationen beschäftigt. Somit standen Spekulationen darüber, welche Partei vorne liegt, an der Tagesordnung. Diese journalistische Form ist ein Beispiel dafür, dass sich die politische Berichterstattung immer mehr amerikanischen Verhältnissen annähert. In dieser amerikanisierten oder modernisierten Wahlkampfberichterstattung verdrängen Personen, Skandale und das Wettrennen um die Plätze inhaltliche Wahlkampfthemen.

Kommunikationswissenschaftler Josef Seethaler kritisiert, dass der Journalismus momentan einen Beitrag zur Politikverdrossenheit leiste. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Gewichtung in der Berichterstattung von inhaltlichen Fragen zu Horse-Race-Themen verlagert. Auch Qualitätsmedien würden im Wahlkampf zu dieser Form des Journalismus neigen. Die Wähler informieren sich vorwiegend über das Fernsehen und in den Tageszeitungen über Politik und Wahlkämpfe. Es ist Pflicht der Medien, sachpolitische Inhalte aufzuarbeiten und zu erläutern. Diese Berichte können den Wählern helfen, sich eine Meinung zu bilden und ihre politische Kompetenz zu stärken. Der Wettbewerbs- und Konfrontationscharakter von Politik steht jedoch klar im Fokus medialer Berichte. Die Wahlkampfzeit in Österreich hat gezeigt: Skandale und Untergriffigkeiten haben hohen Nachrichtenwert und verdrängen wesentliche Inhalte immer mehr.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler

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Quellen:

Fellner, Sebastian (2017): Kampagnen und Skandale: Der Wahlkampf aus den Redaktionen. Online unter: derstandard.at/2000065830867-1216919032678/Kampagnen-und-Skandale-Der-Wahlkampf-aus-den-Redaktionen (13.10.2017).

Lengauer, Günther (2007): Postmoderne Nachrichtenlogik: Redaktionelle Politikvermittlung in Medienzentrierten Demokratien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Plasser, Fritz (Hg.) (2009): Politik in der Medienarena. Praxis politischer Kommunikation in Österreich. Wien: Facultas.

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Streit um Hasskommentare: Gesetzesvorschlag in der Kritik

Der Gesetzentwurf von Heiko Maas in Deutschland ruft heftige Kritik hervor. Soziale Plattformen sollen stärker gegen Hass im Netz vorgehen. Bei einem Verstoß drohen hohe Bußgelder. Vor allem das Unternehmen Facebook wehrt sich gegen diesen Entwurf.

shield-1286293_1920Der Gesetzentwurf, auch „Facebook-Gesetz“ genannt, schreibt vor, dass offenkundig strafbare Inhalte innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden müssen. Verantwortlich dafür sollen die sozialen Netzwerke selbst sein. Bei Nichtbeachtung drohen ihnen Bußgelder von bis zu 50 Millionen Euro.

Das Unternehmen Facebook wehrt sich heftig gegen diesen Entwurf. Facebook ist der Meinung, es liege nicht in deren Verantwortung, gegen solche Inhalte vorzugehen. Stattdessen sei es die öffentliche Aufgabe des Staates, gegen Falschmeldungen und Hasskommentare zu kämpfen. Auch der Rechtsausschuss des Bundesrats denkt nicht, dass die Netzwerke das Recht haben sollten, zu entscheiden, welche Postings gelöscht werden.

Heftige Kritik gibt es auch bezüglich des Bußgeldes. So könnten Netzwerke vielmehr aus Zweifel und Angst Beiträge löschen, um sicher zu sein, dieses nicht zahlen zu müssen. Das Gesetz von Heiko Maas würde einen enormen Druck auf die Netzwerkbetreiber ausüben und damit die Meinungs- und Pressefreiheit stark einschränken. Denn der Entwurf ermöglicht keine freie Kommunikation, sondern unterbindet sie. Dabei sind gerade soziale Plattformen wie Facebook wichtige Instrumente für die Meinungsfreiheit. Grundrechte wie die Meinungsfreiheit müssen laut Artikel 5 des Grundgesetzes im Internet geschützt werden.

Doch Unternehmen wie Facebook dürfen sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Maas hat Recht damit, dass die Plattformen dafür zuständig sein sollten, schneller und konsequenter gegen Hasskommentare und Bedrohungen vorzugehen. Das Gesetz soll Druck auf die Netzwerke ausüben, damit auch diese sich in der Pflicht sehen, gegen strafbare Inhalte zu kämpfen.

Der deutsche Justizminister Maas hat mit seinem Entwurf jedoch einen Schnellschuss vorgelegt. So wollte er das Gesetz noch vor den Wahlen im September beschließen. Doch mit so viel Kritik und einem hohen Anspruch an den Gesetzentwurf könnte dies schwierig werden. Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, Hasskommentare sowohl mit rechtsstaatlichen Mitteln zu bekämpfen und damit Druck auf den Täter auszuüben, als auch die Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen. Dies schafft in der Netzgemeinde Vertrauen statt Misstrauen.

Von Lea Frank und Julia Rafschneider

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Quellen

Herbold, Astrid (2017): Hasskommentare. Machine against the Rage. Online unter: http://www.zeit.de/digital/internet/2017-05/hasskommentare-kuenstliche-intelligenz-filter-facebook-google (06.06.2017).

Kamann, Matthias/Meier, Christian (2017): Facebook-Gesetz von Heiko Maas steht auf der Kippe. Online unter: https://www.welt.de/politik/deutschland/article165264494/Facebook-Gesetz-von-Heiko-Maas-steht-auf-der-Kippe.html (06.06.2017).

Spiegel Online (2017): Kampf gegen Hassrede. Facebook nennt Maas-Gesetz verfassungwidrig. Online unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-wehrt-sich-gegen-maas-gesetz-a-1149623.html (06.06.2017).

Foto: pixabay.com

“Kronen Zeitung” mit Fake News in den Online-Trends

Nach den Terroranschlägen in London sorgte die “Krone” mit einem ungeprüften Online-Artikel für Aufsehen. Sie berichtete über eine muslimische Friedensdemo, die der Nachrichtensender CNN angeblich arrangierte. Fake News, wie sich im Nachhinein herausstellte.

fake news bildEin Handy-Video nach dem Terroranschlag in London sorgte für heftige Diskussionen. Darin ist zu sehen, dass Sicherheitsleute muslimische Demonstranten durch eine Absperrung führen. Sie präsentieren Protestplakate gegen den Terror und den „Islamischen Staat“. Die CNN-Moderatorin geht live auf Sendung und berichtet über die Demonstration. Das Video verbreitete auch die Kronen Zeitung auf ihrer Webseite und unterstellte dem Nachrichtensender CNN, die Friedensdemo arrangiert zu haben. Auch die populistische Partei “Alternative für Deutschland” verbreitete das Video im Netz.
CNN weist die Anschuldigungen zurück. Sicherheitskräfte ließen die Demonstranten durch, um Blumen niederlegen zu können. Parallel dazu sei CNN live gegangen, die Moderatorin habe auf die Szene reagiert. Laut der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” streuten rechtskonservative Blogger die Gerüchte über die inszenierte Demo.

Der Inszenierungs-Vorwurf ist Fake News pur. Die Krone griff in ihrer Online-Ausgabe Teile der falschen Behauptungen auf. Der Bericht sorgte für über 7.400 Interaktionen und war einer der fünf erfolgreichsten deutschsprachigen Artikel am Pfingstmontag. Die Krone erreichte ihr Ziel, viele Clicks zu generieren. Clickbaiting ist online ein probates Mittel, in Kombination mit Fake News jedoch ein Tabu. Dass die Krone Fake News wiedergibt, ist inakzeptabel. Dieses Verhalten schwächt das Vertrauen in die Medien erneut.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 14.6.2017

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Quellen

 

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„Don’t let yourself get fooled“ – Neue Impulse zu Fake News

„Fakten auf ihre Richtigkeit zu überprüfen“ ist das Motto des „International Fact-Checking Day“. Veranstaltet wurden zahlreiche Events und Workshops, um die Medienkompetenz der jungen Generation zu stärken. Laut des Journalisten Nicola Bruno sollen sich an diesem Tag junge Erwachsene mit dem Thema Fake News auseinandersetzen und mit Hilfe eingeladener Experten, welche die Idee des „Galaktischen Führer für Nachrichtenentdecker“ entwickelten, lernen, News von sogenannten Fake News zu differenzieren.

social-media-1846777_1920Hoaxes – verbreitete Falschmeldungen, die für wahr gehalten werden – sind seit dem amerikanischen Wahlkampf global und medial präsent. Nun stellt sich die Frage, wie Jugendliche damit umgehen. Der „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“ ist ein spielerisches Programm, das in erster Linie Fakten und Nachrichten auf ihre Richtigkeit überprüft. In seiner praktischen Aufmachung soll er vor allem die junge Generation ansprechen. Doch wie funktioniert dieser „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“? Auf der Startseite fliegt ein Raumschiff durchs All, das mittels einer Fakten-Checker-Laserkanone auf vorbeischwirrende Meldungen schießt. Diese fliegenden Nachrichten werden mit verschiedenen Farben nach wahr, falsch und unklar kategorisiert. Langfristiges Ziel ist es kritisches Bewusstsein zu schaffen.

Die oberste Priorität des Fact-Checking-Day‘s ist die Stärkung der Medienkompetenz von Jugendlichen. Diese Idee wird beim internationalen Journalismusfestival in Perugia, Italien, konkret umgesetzt. Spezialisten und junge Erwachsene arbeiten dabei in Workshops zusammen. 100 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren haben die technologischen Innovationen gleich getestet. Der „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“ ist ein Beispiel für eine Applikation, die jungen Bürgern dabei hilft, die wichtige Kompetenz des Erkennens von „Fake News“ spielerisch zu erlernen.

Von Aylin Celebi, Katharina Hafner und Alina Schober, am 07.06.2017

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Quellen

Miller-Aichholz, Pia (2017): Mit Laserkanonen gegen falsche Fakten. Online unter http://derstandard.at/2000058331286/Mit-Laserkanonen-gegen-falsche-Fakten (03.06.2017).

Perasso, Eva (2017): Arriva il „fact checking day“ Unagiornata per imparare a riconoscere le notizie false. Online unter http://www.corriere.it/tecnologia/cyber-cultura/17_marzo_31/arriva-fact-checking-day-giornata-imparare-riconoscere-notizie-false-a9c0e044-15ef-11e7-a7f8-4182acb95456.shtml (03.06.2017).

 

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Deutschland sagt Social Bots den Kampf an

Social Bots sollen künftig in sozialen Medien gekennzeichnet werden. Die Landes-Justizminister wollen sie mit einem neuen Gesetz aus der Anonymität holen. Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter sollen in Zukunft Beiträge von Bots erkennen. Auch gegen Personen, die Social Bots einsetzen, sollen vorgegangen werden.

Bild_Change KopieNicht nur Menschen sind auf Facebook und Twitter aktiv. Auch Roboter, sogenannte Social Bots, treiben dort ihr Unwesen. Bis zu 15 Prozent der rund 319 Millionen Twitter-Konten sind Bots. Sie können Meinungsbilder verzerren und Trends beeinflussen. Um die Nutzer davor zu schützen, wollen die deutschen Landes-Justizminister die Kennzeichnung von Bots gesetzlich durchsetzen. Betreiber von sozialen Medien müssen Beiträge von Bots markieren. Nutzer können so auf den ersten Blick Postings von Menschen und intelligenten Programmen unterscheiden. Die Initiative soll vor allem unerfahrenen Nutzern helfen. Auch Personen, die Roboter einsetzen, sollen in Zukunft Strafen erhalten. Den Bundesländern sei es dabei selbst überlassen, ob sie Bußgelder verhängen.

Der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf sieht vor allem den Einsatz von Bot-Armeen als problematisch an. Dieser stelle eine ernsthafte Gefahr für die politische Willensbildung dar. Unzählige Social Bots posten mit ihren falschen Profilen auf öffentlichen Seiten. Dadurch können sie die Themen-Agenda bestimmen und Diskussionen im Netz manipulieren. Wie das Portal Marktforschung.de berichtet, sehen auch die deutschen Wähler den Einsatz von Social Bots für die kommende Bundestagswahl im September kritisch. Nutzern muss klar sein, dass es Social Bots gibt und dass sie eine verzerrende Wirkung haben können. Die Kennzeichnungspflicht ist eine erste Maßnahme, Fake Profilen den Kampf anzusagen und ihren Einfluss auf politische Willensbildung zu begrenzen.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 28.6.2017

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Quellen

derStandard (2017): Kennzeichnungspflicht für Roboter-Postings in Deutschland geplant. Online unter: http://derstandard.at/2000059415577/Kennzeichnungspflicht-fuer-Roboter-Postings-in- Deutschland-geplant (26.06.2017).

Oberhoff, Ina (2017): Bundestagswahl. Wähler wollen keinen Einsatz von Social Bots. Online unter: https://www.marktforschung.de/nachrichten/marktforschung/bundestagswahl-waehler-wollen-keineneinsatz-von-social-bots/ (26.06.2017).

Siegmann, Marten (2017): Twitter: Bis zu 48 Millionen Bot-Profile. Online unter: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Twitter-Bis-zu-48-Millionen-Bot-Profile-3650678.html (29.06.2017).

 

Foto: Nadine Kleinbauer/Martin Oberbichler

 

Bahrain – Pressefreiheit unter Beschuss

In Bahrain wurde kürzlich ein umstrittenes Verbot gegen die unabhängige Zeitung „Al-Wasat“ verhängt. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht  ist das ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit.

kette.jpg„Vorläufiges Verbot nach wiederholter Verletzung von Gesetzen und Gefährdung der nationalen Einheit und der Beziehungen mit anderen Ländern“, das sind die Anschuldigungen der Regierung des Wüstenstaates Bahrain gegen die unabhängige Zeitung „Al-Wasat“. Für den Chefredakteur Mansur al-Jamri kam die Entscheidung der Regierung aus heiterem Himmel. Er glaubt, dass ein Kommentar über Proteste in Marokko der Auslöser für das Verbot sei. Der Zeitung sei es nicht ermöglicht worden Stellung zu beziehen und Argumente gegen eine Schließung vorzubringen.

Als schweren Schlag gegen die Pressefreiheit in Bahrain, so kann man das Verbot der Zeitung „Al-Wasat“ aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht sehen. Unabhängige Berichterstattung, kritisches Hinterfragen oder Satire – diese wesentlichen Merkmale des Journalismus sind jedoch nach wie vor in vielen arabischen Ländern nahezu unmöglich, wie der jüngste Fall beweist.

Was kann man dagegen tun? Ein Erdöl-Embargo oder weitere politische Sanktionen werden vermutlich wenig Erfolg haben. Als Kommunikationswissenschafter kann man über solche Ereignisse berichten, sie kritisch betrachten und der Welt zeigen, dass diese schwerwiegenden Verstöße gegen die Pressefreiheit in unseren Ländern nicht unkommentiert hingenommen werden. Unsere Aufgabe ist es, Missachtungen immer wieder aufs Neue aufzuzeigen und darüber zu informieren. Menschenrechte sind unteilbar. Ein Recht auf freie Meinung gilt auch für Menschen, die in Ländern leben, deren Staatsform eine konstitutionelle Monarchie ist.
Unsere Rechte in Europa sind nicht über Nacht entstanden. Auch hier musste man für Demokratie und Unabhängigkeit kämpfen. Sich einsetzen für seine Werte, glauben an eine Welt in der freie Meinungsäußerungen nicht geahndet wird. Für sich selbst einstehen. Das ist der Weg der langfristig zu einer Veränderung führt.

Von Kati Markut und Christian Guter, am 24.6.2017

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Quellen

derStandard (2017): Regierung in Bahrain untersagt Zeitung die Arbeit. Online unter: http://derstandard.at/2000058736104/Regierung-in-Bahrain-untersagt-Zeitung-die-Arbeit (12.6.2017).

Kurier (2017): Regierung in Bahrain untersagt Zeitung die Arbeit. Online unter: https://kurier.at/politik/ausland/regierung-in-bahrain-untersagt-zeitung-die-arbeit/267.894.509 (12.6.2017).

 

Foto: pixabay.com