MedienNutzung

Streit um Hasskommentare: Gesetzesvorschlag in der Kritik

Der Gesetzentwurf von Heiko Maas in Deutschland ruft heftige Kritik hervor. Soziale Plattformen sollen stärker gegen Hass im Netz vorgehen. Bei einem Verstoß drohen hohe Bußgelder. Vor allem das Unternehmen Facebook wehrt sich gegen diesen Entwurf.

shield-1286293_1920Der Gesetzentwurf, auch „Facebook-Gesetz“ genannt, schreibt vor, dass offenkundig strafbare Inhalte innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden müssen. Verantwortlich dafür sollen die sozialen Netzwerke selbst sein. Bei Nichtbeachtung drohen ihnen Bußgelder von bis zu 50 Millionen Euro.

Das Unternehmen Facebook wehrt sich heftig gegen diesen Entwurf. Facebook ist der Meinung, es liege nicht in deren Verantwortung, gegen solche Inhalte vorzugehen. Stattdessen sei es die öffentliche Aufgabe des Staates, gegen Falschmeldungen und Hasskommentare zu kämpfen. Auch der Rechtsausschuss des Bundesrats denkt nicht, dass die Netzwerke das Recht haben sollten, zu entscheiden, welche Postings gelöscht werden.

Heftige Kritik gibt es auch bezüglich des Bußgeldes. So könnten Netzwerke vielmehr aus Zweifel und Angst Beiträge löschen, um sicher zu sein, dieses nicht zahlen zu müssen. Das Gesetz von Heiko Maas würde einen enormen Druck auf die Netzwerkbetreiber ausüben und damit die Meinungs- und Pressefreiheit stark einschränken. Denn der Entwurf ermöglicht keine freie Kommunikation, sondern unterbindet sie. Dabei sind gerade soziale Plattformen wie Facebook wichtige Instrumente für die Meinungsfreiheit. Grundrechte wie die Meinungsfreiheit müssen laut Artikel 5 des Grundgesetzes im Internet geschützt werden.

Doch Unternehmen wie Facebook dürfen sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Maas hat Recht damit, dass die Plattformen dafür zuständig sein sollten, schneller und konsequenter gegen Hasskommentare und Bedrohungen vorzugehen. Das Gesetz soll Druck auf die Netzwerke ausüben, damit auch diese sich in der Pflicht sehen, gegen strafbare Inhalte zu kämpfen.

Der deutsche Justizminister Maas hat mit seinem Entwurf jedoch einen Schnellschuss vorgelegt. So wollte er das Gesetz noch vor den Wahlen im September beschließen. Doch mit so viel Kritik und einem hohen Anspruch an den Gesetzentwurf könnte dies schwierig werden. Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, Hasskommentare sowohl mit rechtsstaatlichen Mitteln zu bekämpfen und damit Druck auf den Täter auszuüben, als auch die Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen. Dies schafft in der Netzgemeinde Vertrauen statt Misstrauen.

Von Lea Frank und Julia Rafschneider

Artikel als PDF

 

Quellen

Herbold, Astrid (2017): Hasskommentare. Machine against the Rage. Online unter: http://www.zeit.de/digital/internet/2017-05/hasskommentare-kuenstliche-intelligenz-filter-facebook-google (06.06.2017).

Kamann, Matthias/Meier, Christian (2017): Facebook-Gesetz von Heiko Maas steht auf der Kippe. Online unter: https://www.welt.de/politik/deutschland/article165264494/Facebook-Gesetz-von-Heiko-Maas-steht-auf-der-Kippe.html (06.06.2017).

Spiegel Online (2017): Kampf gegen Hassrede. Facebook nennt Maas-Gesetz verfassungwidrig. Online unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-wehrt-sich-gegen-maas-gesetz-a-1149623.html (06.06.2017).

Foto: pixabay.com

Advertisements

“Kronen Zeitung” mit Fake News in den Online-Trends

Nach den Terroranschlägen in London sorgte die “Krone” mit einem ungeprüften Online-Artikel für Aufsehen. Sie berichtete über eine muslimische Friedensdemo, die der Nachrichtensender CNN angeblich arrangierte. Fake News, wie sich im Nachhinein herausstellte.

fake news bildEin Handy-Video nach dem Terroranschlag in London sorgte für heftige Diskussionen. Darin ist zu sehen, dass Sicherheitsleute muslimische Demonstranten durch eine Absperrung führen. Sie präsentieren Protestplakate gegen den Terror und den „Islamischen Staat“. Die CNN-Moderatorin geht live auf Sendung und berichtet über die Demonstration. Das Video verbreitete auch die Kronen Zeitung auf ihrer Webseite und unterstellte dem Nachrichtensender CNN, die Friedensdemo arrangiert zu haben. Auch die populistische Partei “Alternative für Deutschland” verbreitete das Video im Netz.
CNN weist die Anschuldigungen zurück. Sicherheitskräfte ließen die Demonstranten durch, um Blumen niederlegen zu können. Parallel dazu sei CNN live gegangen, die Moderatorin habe auf die Szene reagiert. Laut der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” streuten rechtskonservative Blogger die Gerüchte über die inszenierte Demo.

Der Inszenierungs-Vorwurf ist Fake News pur. Die Krone griff in ihrer Online-Ausgabe Teile der falschen Behauptungen auf. Der Bericht sorgte für über 7.400 Interaktionen und war einer der fünf erfolgreichsten deutschsprachigen Artikel am Pfingstmontag. Die Krone erreichte ihr Ziel, viele Clicks zu generieren. Clickbaiting ist online ein probates Mittel, in Kombination mit Fake News jedoch ein Tabu. Dass die Krone Fake News wiedergibt, ist inakzeptabel. Dieses Verhalten schwächt das Vertrauen in die Medien erneut.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 14.6.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

 

Foto: pixabay.com

 

„Don’t let yourself get fooled“ – Neue Impulse zu Fake News

„Fakten auf ihre Richtigkeit zu überprüfen“ ist das Motto des „International Fact-Checking Day“. Veranstaltet wurden zahlreiche Events und Workshops, um die Medienkompetenz der jungen Generation zu stärken. Laut des Journalisten Nicola Bruno sollen sich an diesem Tag junge Erwachsene mit dem Thema Fake News auseinandersetzen und mit Hilfe eingeladener Experten, welche die Idee des „Galaktischen Führer für Nachrichtenentdecker“ entwickelten, lernen, News von sogenannten Fake News zu differenzieren.

social-media-1846777_1920Hoaxes – verbreitete Falschmeldungen, die für wahr gehalten werden – sind seit dem amerikanischen Wahlkampf global und medial präsent. Nun stellt sich die Frage, wie Jugendliche damit umgehen. Der „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“ ist ein spielerisches Programm, das in erster Linie Fakten und Nachrichten auf ihre Richtigkeit überprüft. In seiner praktischen Aufmachung soll er vor allem die junge Generation ansprechen. Doch wie funktioniert dieser „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“? Auf der Startseite fliegt ein Raumschiff durchs All, das mittels einer Fakten-Checker-Laserkanone auf vorbeischwirrende Meldungen schießt. Diese fliegenden Nachrichten werden mit verschiedenen Farben nach wahr, falsch und unklar kategorisiert. Langfristiges Ziel ist es kritisches Bewusstsein zu schaffen.

Die oberste Priorität des Fact-Checking-Day‘s ist die Stärkung der Medienkompetenz von Jugendlichen. Diese Idee wird beim internationalen Journalismusfestival in Perugia, Italien, konkret umgesetzt. Spezialisten und junge Erwachsene arbeiten dabei in Workshops zusammen. 100 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren haben die technologischen Innovationen gleich getestet. Der „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“ ist ein Beispiel für eine Applikation, die jungen Bürgern dabei hilft, die wichtige Kompetenz des Erkennens von „Fake News“ spielerisch zu erlernen.

Von Aylin Celebi, Katharina Hafner und Alina Schober, am 07.06.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

Miller-Aichholz, Pia (2017): Mit Laserkanonen gegen falsche Fakten. Online unter http://derstandard.at/2000058331286/Mit-Laserkanonen-gegen-falsche-Fakten (03.06.2017).

Perasso, Eva (2017): Arriva il „fact checking day“ Unagiornata per imparare a riconoscere le notizie false. Online unter http://www.corriere.it/tecnologia/cyber-cultura/17_marzo_31/arriva-fact-checking-day-giornata-imparare-riconoscere-notizie-false-a9c0e044-15ef-11e7-a7f8-4182acb95456.shtml (03.06.2017).

 

Foto: pixabay.com

 

Deutschland sagt Social Bots den Kampf an

Social Bots sollen künftig in sozialen Medien gekennzeichnet werden. Die Landes-Justizminister wollen sie mit einem neuen Gesetz aus der Anonymität holen. Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter sollen in Zukunft Beiträge von Bots erkennen. Auch gegen Personen, die Social Bots einsetzen, sollen vorgegangen werden.

Bild_Change KopieNicht nur Menschen sind auf Facebook und Twitter aktiv. Auch Roboter, sogenannte Social Bots, treiben dort ihr Unwesen. Bis zu 15 Prozent der rund 319 Millionen Twitter-Konten sind Bots. Sie können Meinungsbilder verzerren und Trends beeinflussen. Um die Nutzer davor zu schützen, wollen die deutschen Landes-Justizminister die Kennzeichnung von Bots gesetzlich durchsetzen. Betreiber von sozialen Medien müssen Beiträge von Bots markieren. Nutzer können so auf den ersten Blick Postings von Menschen und intelligenten Programmen unterscheiden. Die Initiative soll vor allem unerfahrenen Nutzern helfen. Auch Personen, die Roboter einsetzen, sollen in Zukunft Strafen erhalten. Den Bundesländern sei es dabei selbst überlassen, ob sie Bußgelder verhängen.

Der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf sieht vor allem den Einsatz von Bot-Armeen als problematisch an. Dieser stelle eine ernsthafte Gefahr für die politische Willensbildung dar. Unzählige Social Bots posten mit ihren falschen Profilen auf öffentlichen Seiten. Dadurch können sie die Themen-Agenda bestimmen und Diskussionen im Netz manipulieren. Wie das Portal Marktforschung.de berichtet, sehen auch die deutschen Wähler den Einsatz von Social Bots für die kommende Bundestagswahl im September kritisch. Nutzern muss klar sein, dass es Social Bots gibt und dass sie eine verzerrende Wirkung haben können. Die Kennzeichnungspflicht ist eine erste Maßnahme, Fake Profilen den Kampf anzusagen und ihren Einfluss auf politische Willensbildung zu begrenzen.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 28.6.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

derStandard (2017): Kennzeichnungspflicht für Roboter-Postings in Deutschland geplant. Online unter: http://derstandard.at/2000059415577/Kennzeichnungspflicht-fuer-Roboter-Postings-in- Deutschland-geplant (26.06.2017).

Oberhoff, Ina (2017): Bundestagswahl. Wähler wollen keinen Einsatz von Social Bots. Online unter: https://www.marktforschung.de/nachrichten/marktforschung/bundestagswahl-waehler-wollen-keineneinsatz-von-social-bots/ (26.06.2017).

Siegmann, Marten (2017): Twitter: Bis zu 48 Millionen Bot-Profile. Online unter: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Twitter-Bis-zu-48-Millionen-Bot-Profile-3650678.html (29.06.2017).

 

Foto: Nadine Kleinbauer/Martin Oberbichler

 

Bahrain – Pressefreiheit unter Beschuss

In Bahrain wurde kürzlich ein umstrittenes Verbot gegen die unabhängige Zeitung „Al-Wasat“ verhängt. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht  ist das ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit.

kette.jpg„Vorläufiges Verbot nach wiederholter Verletzung von Gesetzen und Gefährdung der nationalen Einheit und der Beziehungen mit anderen Ländern“, das sind die Anschuldigungen der Regierung des Wüstenstaates Bahrain gegen die unabhängige Zeitung „Al-Wasat“. Für den Chefredakteur Mansur al-Jamri kam die Entscheidung der Regierung aus heiterem Himmel. Er glaubt, dass ein Kommentar über Proteste in Marokko der Auslöser für das Verbot sei. Der Zeitung sei es nicht ermöglicht worden Stellung zu beziehen und Argumente gegen eine Schließung vorzubringen.

Als schweren Schlag gegen die Pressefreiheit in Bahrain, so kann man das Verbot der Zeitung „Al-Wasat“ aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht sehen. Unabhängige Berichterstattung, kritisches Hinterfragen oder Satire – diese wesentlichen Merkmale des Journalismus sind jedoch nach wie vor in vielen arabischen Ländern nahezu unmöglich, wie der jüngste Fall beweist.

Was kann man dagegen tun? Ein Erdöl-Embargo oder weitere politische Sanktionen werden vermutlich wenig Erfolg haben. Als Kommunikationswissenschafter kann man über solche Ereignisse berichten, sie kritisch betrachten und der Welt zeigen, dass diese schwerwiegenden Verstöße gegen die Pressefreiheit in unseren Ländern nicht unkommentiert hingenommen werden. Unsere Aufgabe ist es, Missachtungen immer wieder aufs Neue aufzuzeigen und darüber zu informieren. Menschenrechte sind unteilbar. Ein Recht auf freie Meinung gilt auch für Menschen, die in Ländern leben, deren Staatsform eine konstitutionelle Monarchie ist.
Unsere Rechte in Europa sind nicht über Nacht entstanden. Auch hier musste man für Demokratie und Unabhängigkeit kämpfen. Sich einsetzen für seine Werte, glauben an eine Welt in der freie Meinungsäußerungen nicht geahndet wird. Für sich selbst einstehen. Das ist der Weg der langfristig zu einer Veränderung führt.

Von Kati Markut und Christian Guter, am 24.6.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

derStandard (2017): Regierung in Bahrain untersagt Zeitung die Arbeit. Online unter: http://derstandard.at/2000058736104/Regierung-in-Bahrain-untersagt-Zeitung-die-Arbeit (12.6.2017).

Kurier (2017): Regierung in Bahrain untersagt Zeitung die Arbeit. Online unter: https://kurier.at/politik/ausland/regierung-in-bahrain-untersagt-zeitung-die-arbeit/267.894.509 (12.6.2017).

 

Foto: pixabay.com

Wissen als Bedrohung: Türkei blockiert Wikipedia

Die Türkei hat den Zugang zum Online-Lexikon Wikipedia gesperrt. Die Regierung unterstellt den Betreibern der Seite Terrorpropaganda. Ein türkisches Gericht bestätigte die Blockade am 5. Mai. Dieser Schritt des Regimes geht zu weit.

wikipedia-1802614_1920Den türkischen Informationssuchenden steht eine harte Zeit bevor. Die zentrale Online-Wissensquelle Wikipedia ist versiegt. Die türkische Regierung sperrte die Seite wegen regierungsfeindlicher Propaganda. Das Regime beschuldigt die Betreiber, die Türkei in einigen Artikeln auf eine Stufe mit Terroristen zu stellen. Eine Beschwerde gegen die Sperre seitens der Wikimedia-Stiftung wurde zurückgewiesen.

Bereits 2014 legte sich Präsident Erdogan mit dem Kurznachrichtendienst Twitter an und sperrte seinen Zugang. Die Sperre des Online-Lexikons ist ein neuer Willkür-Akt Erdogans, der jede Kritik gegenüber der Regierung bestraft. Die zunehmende Einschränkung der Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit ist eine Besorgnis erregende Entwicklung.

Die Türkei ist seit 1949 Vollmitglied des Europarats, der die Einhaltung von Menschenrechten überwacht. Die türkische Regierung muss sich an die Europäische Menschenrechtskonvention halten. Ihre Wikipedia-Sperre ist auch hinsichtlich Artikel 10 – “Freiheit der Meinungsäußerung” – untragbar.

Nicht nur Journalisten sind durch die Einschränkungen mit Problemen konfrontiert. Der freie Zugang zu Information wird für Internetnutzer in vielen Ländern immer stärker begrenzt. Die jüngste türkische Sperre ist dafür nur ein weiteres Beispiel.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 10.5.2017

 

Artikel als PDF

Quellen

Hasan Gökkaya (2017): Türkische Regierung sperrt Wikipedia. Online unter: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/tuerkei-sperre-wikipedia (08.05.2017).

Zeit Online (2017): Gericht in Ankara bestätigt Sperre von Wikipedia. Online unter: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/tuerkei-wikipedia-sperre-beschwerde-gericht-blockade (08.05.2017).

derStandard (2014): Türkei verschärft Twitter-Sperre, Präsident übt Kritik. Online unter: https://derstandard.at/1395362921190/Tuerkei-verschaerft-Twitter-Sperre-Praesident-schaltet-sich-ein (08.05.2017).

Foto: Pixabay

Warum telefonieren, wenn man auch schreiben kann

GRAFIKWas haben WhatsApp, Facebook, Twitter, Skype und Snapchat gemeinsam? Auf dem Smartphone dienen uns diese Apps als Kommunikationskanäle. Doch bedeutet diese Vielzahl an kommunikativen Möglichkeiten tatsächlich Vielfalt im Kommunikationsverhalten? Dieser Frage ist die Forschungsgruppe Medienwandel der Universität Salzburg genauer nachgegangen.

Auf die Situation kommt es an

Textnachrichten sind mit Abstand die am häufigsten genutzte Kommunikationstechnologie. Das belegt eine aktuelle Untersuchung zum kommunikativen Verhalten von Salzburger Studierenden. Daneben spielt die Situation der Nutzung eine entscheidende Rolle: In „Ausnahmesituationen“ wie Streitgesprächen ziehen die Studierenden nach wie vor die direkte Kommunikation vor. Auch im Berufsalltag greifen sie auf „klassische“ Technologien wie Telefonat und E-Mail zurück. Trotzdem: Schreiben ist immer leichter als Reden, findet der Großteil der Befragten. Darüber hinaus ist die Wahl der Kommunikationstechnologie zeit-, stimmungs- und ortsabhängig. Demnach gilt: Bei viel Zeit, guter Laune und/oder zu Hause wird mehr kommuniziert als bei wenig Zeit, schlechter Laune und/oder in der Öffentlichkeit.

Technologie beeinflusst das Kommunikationsverhalten

Die jeweilige Kommunikationstechnologie erzeugt und begünstigt ganz bestimmte Verhaltensweisen. Die zentrale Annahme der Untersuchung kann gestützt und ein Einfluss der Technologie auf das kommunikative Verhalten nachgewiesen werden. Die Wahl der Technologie ist von verschiedenen Faktoren abhängig, womit die Forscherinnen eine gewisse Kommunikationskultur unter den Studierenden identifizierten. Was das aus medienhistorischer und medientechnologischer Sicht bedeutet? Wie die Technologie ist auch das Kommunikations- und Nutzungsverhalten einem stetigen Wandel unterlegen. Grund genug, von Zeit zu Zeit diesen Wandel genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das tut nicht nur die Forschungsgruppe Medienwandel, sondern zum Beispiel auch das Forum Mobilkommunikation – und kommt mit einer Umfrage unter 14- bis 19-Jährigen zu ähnlichen Ergebnissen: „Es klingt für viele Erwachsene seltsam, aber für immer mehr Teenager gilt: Warum telefonieren, wenn man auch mit Whatsapp kommunizieren kann? Für Jugendliche sind Kurznachrichten inzwischen wichtiger als Telefonate.“

Vielzahl gleich Vielfalt?

Ein Blick ins Internet und den App Store suggeriert unbegrenzte Kommunikationsmöglichkeiten. Um noch einmal auf den Anfang zurückzukommen: Bedeutet Vielzahl in diesem Fall auch tatsächlich Vielfalt? Diese Frage kann klar verneint werden. Zwar ist die Existenz einer bestimmten Kommunikationskultur unbestritten. Fakt ist aber auch: Alle Anwendungen zur Kommunikation lassen sich in wenige kommunikationstechnologische Cluster zusammenfassen – und diese werden wiederum nur in sehr unterschiedlichem Ausmaß von den Studierenden genutzt. Dauervernetzung als Anfang ohne Ende? Wohl eher nicht, denn früher oder später stößt die Nutzung der Kommunikationstechnologien an ihre Grenzen.

Die Studie Schreiben – Sprechen – Selfie. Zum Zusammenhang von neuen Kommunikationstechnologien und kommunikativen Verhaltensmustern wurde im Juni 2016 auf journal.kommunikation-medien.at, dem Onlinejournal des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, veröffentlicht.

30.06.2016: Eine Meldung von Veronika Kolbeck und Katharina Wohlfahrt.

Artikel als PDF

Quellen:

Der Standard (2016): Whatsapp verändert das Kommunikationsverhalten. Online unter: http://derstandard.at/2000039386160/WhatsApp-veraendert-das-Kommunikationsverhalten (26.06.2016).

Kolbeck, Veronika/Wohlfahrt, Katharina (2016): Schreiben – Sprechen – Selfie. Zum Zusammenhang von neuen Kommunikationstechnologien und kommunikativen Verhaltensmustern. Veröffentlichte Studie Universität Salzburg.

Schattenboxen gegen die ‚Gratiskultur‘ im Netz: Online-Journalismus wird immer noch ‚verschenkt‘

Art

Embed from Getty Images

Millionen von Internet-Usern nutzen Ad-Blocker, um lästige Werbebanner auszublenden. Führende Medienkonzerne wehren sich wiederum mit technischen und juristischen Mitteln gegen die Werbe-Bremsen. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass Medienunternehmen in ganz Europa nach wie vor eine ‚Gratiskultur‘ betreiben und ihre Inhalte ‚verschenken‘. Konsequente Monetarisierung von Online-Journalismus sieht anders aus.

„Werbung ist lästig, Ad-Blocker schaffen praktisch Abhilfe“ – diese Meinung setzt sich zunehmend unter Userinnen und Usern von Onlinemedien durch. Nach jüngsten Erhebungen setzen weltweit hunderte Millionen Menschen beim Surfen im Internet auf Ad-Blocker-Software, die Tendenz ist mit zweistelligen Zuwachsraten pro Jahr weiter rasant steigend (Pagefair 2016). Laut dem aktuellen Digital News Report (2016) nutzt knapp ein Viertel (24%) der User in 26 untersuchten Ländern weltweit Ad-Blocker, wobei die Nutzung unter den unter-35-Jährigen noch einmal deutlich höher liegt. Während Leserinnen und Leser sich über ‚störungsfreies’ Surfen freuen, beklagen die Seitenbetreiber Einnahmenverluste durch ausbleibende Werbeanzeigen.

Verlage fahren Doppelstrategie gegen Ad-Blocker

Führende Medienkonzerne verfolgen – durchaus öffentlichkeitswirksam – (mindestens) zwei Strategien, um die Werbe-Bremsen auszubremsen: Erstens geht man mit zunehmender Vehemenz gerichtlich gegen die Anbieter von Ad-Blockern wie etwa Eyeo GmbH, die Adblock Plus vertreibt, vor. Die Axel Springer SE gibt sich als Speerspitze dieses Kampfs, der neben den Gerichten mittlerweile auch die Politik erreicht hat. Der zweite Weg ist das „Gegen-Blocking“. Das bedeutet, Leserinnen und Leser mit aktiviertem Ad-Blocker von der Nutzung der eigenen Seite auszusperren. Prominente Beispiele sind etwa die zu Springer gehörende BILD.de oder die Internet-Ausgabe der auflagenstärksten niederländischen Tageszeitung De Telegraaf. Andere wie die Online-Ausgaben der New York Times, von Le Parisien oder Le Monde experimentierten zumindest zweitweise mit dieser Vorgangsweise.

Die gelebte Praxis heißt nach wie vor ‚Gratiskultur’

Doch wie steht es wirklich um diesen Kampf der Medienhäuser gegen Ad-Blocker-Anbieter? Die von den Verlagen alltäglich gelebte Praxis ist zumindest widersprüchlich, der Widerstand gegen Ad-Blocker noch bestenfalls als zögerlich zu bezeichnen, wie eine Studie der Forschungsgruppe Medienwandel des Fachbereichs Kommunikations­wissenschaft der Universität Salzburg zeigt. Europaweit wird die überwiegende Zahl redaktioneller, also journalistischer Inhalte von den Verlegern immer noch schlicht und einfach ‚verschenkt’. „Die ‚Gratiskultur’ ist ungebrochen. Medienunternehmen haben offenbar immer noch keine gemeinsamen Weg gefunden, ihre journalistischen Leistungen zu monetarisieren“, skizzieren die Studienautoren Wolfgang Schmidbauer und Thomas Surrer das Ergebnis ihrer Untersuchung.

Harte Paywalls spielen keine Rolle

Für die Studie haben sie im Untersuchungszeitraum von April bis Mai 2016 die jeweils zehn reichweitenstärksten Nachrichtenportale in allen 28 EU-Ländern unter die Lupe genommen und auf das Vorkommen von Werbeeinschaltungen, Bezahlmodellen und Ad-Blocker-Sperren untersucht.

Die Zahlen sind eindeutig:

  • Drei Viertel aller (insg. 265) untersuchten Journalismus-Seiten im EU-Raum sind dem Free Model zuzuordnen (75,8%);
  • Freemium-Modelle, bei denen Leser nur für ‚exklusive’ Inhalte bezahlen müssen, liegen mit 17,7% zahlenmäßig und in der Bedeutung weit dahinter.
  • Metered Models machen 4,9% der untersuchten Journalismus-Portale aus; im Schnitt werden die Leserinnen und Leser nach dem achten Artikel zum Bezahlen aufgefordert.
  • Harte Paywalls (1,1%) und Spendenmodelle (0,4%) spielen – zumindest in der EU-weiten Betrachtung – keine Rolle.
  • Bemerkenswert: Während auf deutlich mehr als 90 Prozent aller untersuchten Nachrichtenportale Werbung geschaltet wird, wehren sich nur zwei Prozent der Anbieter dieser Seiten technisch gegen den Einsatz von Ad-Blocker-Software.

„Die Leserinnen und Leser mag der kostenlose Zugang zu Online-Journalismus einstweilen noch freuen. Doch wenn die Medienhäuser keine nachhaltigen Wege finden, aus ihren redaktionellen Inhalten auch online Erlöse zu erzielen, wird Journalismus gegenüber Internet-Riesen wie Google und Facebook weiter ins Hintertreffen geraten“, sind die Studienautoren überzeugt.

Die Studie „Strategien gegen die ‚Gratiskultur‘. Welche Wege zur Monetarisierung von Online-Journalismus nehmen Medienunternehmen in Europa?“ wurde im Juni 2016 auf journal.kommunikation-medien.at, dem Onlinejournal des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg veröffentlicht.

30.06.2016: Eine Meldung von Wolfgang Schmidbauer und Thomas Surrer.

Artikel als PDF

Quellen:

Pagefair (2016): 2015 PageFair / Adobe Report – The Cost of Adblocking. Online unter https://pagefair.com/wp-content/uploads/2016/05/2015_report-the_cost_of_ad_blocking.pdf (2.5.2016).

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (2016): Bericht der Bund-Länder-Kommission mit Eckpunkten zur Medienkonvergenz beschlossen. Pressemeldung vom 17.6.2016. Online unter https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2016/06/2016-06-17-bkm-medienkonvergenz.html (26.6.2016)

Reuter, Markus (2016): Oberlandesgericht Köln: Adblocking legal, bezahltes Whitelisting verboten. Netzpolitik.org. Online unter https://netzpolitik.org/2016/oberlandesgericht-koeln-adblocking-legal-bezahltes-whitelisting-verboten/ (26.6.2016).

Reuters Institute for the Study of Journalism (2016): Reuters Institute Digital News Report 2016. Online unter http://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/sites/default/files/Digital-News-Report-2016.pdf (26.6.2016).

 

Podiumsdiskussion: Streit über Pressefreiheit in Österreich

 

Liegt Österreich bei der Pressefreiheit wirklich hinter Polen? Dieser Meinung ist zumindest Florian Skabal von der journalistischen Webseite dossier.at., ORF-1- Infochefin Lisa Totzauer widerspricht ihm heftig. Bei der Podiumsdiskussion ‚Große Freiheit oder goldener Käfig? Was der Medienwandel verspricht und was er hält‘ zeigten sich selbst Insider der Medienbranche uneins über den Umgang mit den Umbrüchen in der medialen Kommunikation.

Neben Skrabal und Totzauer saßen Presserat-Geschäftsführer Alexander Warzilek, Standard-Korrespondentin Stephanie Ruep und der Schweizer Kommunikationswissenschaftler Roger Blum auf dem Podium. Unter der Moderation von Wolfgang Schmidbauer und Nora Zacharias diskutierten die Medienexperten vor rund 70 Zuhörern über Qualität im Journalismus, neuen Kommunikationsstrategien im Internet und dem Rückgang der Pressefreiheit in Europa. Dabei sorgten die Referate der zehn Studierenden der Forschungsgruppe für streitbare Impulse.

„Eine gute Story sickert immer durch“

Kontrovers diskutierten die Podiumsgäste über die Pressefreiheit in Polen und Bulgarien. Die negative Entwicklung in Polen und die kaum noch vorhandene Pressefreiheit in Bulgarien inspirierten Florian Skrabal zu dem Vorschlag, Österreich im Ranking zwischen beiden Ländern zu platzieren. Der Investigativjournalist führte hier vor allem das Amtsgeheimnis der Behörden und den Einfluss der Politik auf den ORF an. ORF-Infochefin Lisa Totzauer ließ das zweite Argument nicht gelten. Wenn eine gute Geschichte in einem Medium durch beispielswiese politische Intervention verhindert wird, würde sie laut Totzauer eben durch andere Kanäle nach draußen finden: „Eine gute Story sickert immer durch. Wir veröffentlichen sogar Geschichten, die andere Medien etwa aus Angst vor dem Verleger nicht bringen und uns dann zuspielen.“

Universitätsdozent und Medienjurist Boris Rohman plädierte in seinem Zwischenruf dafür, Pressefreiheit als Utopie anzusehen und verwies dabei auf Persönlichkeits- und Urheberrechte. Rohman fürchtet vor allem den Missbrauch des Tendenzschutzes von Unternehmen wie Red Bull: „Wenn Herr Mateschitz mit dem Ende von Servus TV droht, nur weil Journalisten einen Betriebsrat gründen wollen und die Medienvielfalt von seinen Launen abhängt, ist die Pressefreiheit in Gefahr.“

Kein Patentrezept gegen Gratiskultur

Eine weitere Herausforderung für die Medienhäuser stellt das veränderte Nutzungsverhalten der Menschen dar. Hier waren sich die Podiumsgäste einig, dass sich nicht die Themen der Berichterstattung ändern müssen, sondern deren Aufbereitung. „Ich sehe mich als Orchidee, die sich nur nach oben rankt, wenn sie genügend Wasser bekommt“, umschrieb Totzauer die Notwendigkeit von Kreativität und Innovation in der journalistischen Arbeit. Dafür müsse aber die Finanzierung von Onlinejournalismus gesichert sein. Ein Patentrezept gegen die Gratiskultur im Web hatte keiner der Podiumsgäste. Während Kommunikationswissenschaftler Roger Blum eine höhere staatliche Presseförderung ins Spiel brachte, verwies Skrabal auf den kreativen Erlösmix seines Webportals dossier.at: „Wir finanzieren uns über Spenden, Förderungen und Rechercheleistungen für andere Medien.“

„Euch Massenmedien braucht keiner mehr“

Bei der weiteren Diskussion über guten Onlinejournalismus konnte ein Zuhörer seine Meinung nicht mehr zurückhalten. Der Salzburger Social-Media-Experte Lui Hoffmann sprach den von den fünf Podiumsgästen repräsentierten Medien die gesellschaftliche Relevanz ab. „Euch Massenmedien braucht keiner mehr. HC Strache hat auf Facebook 400.000 Follower, der umgeht euch einfach“, sagte der NEOS-Politiker.

Presserat tut sich online schwer

Beim Thema ‚Qualität im Onlinejournalismus‘ waren sich alle einig, dass journalistische Qualitätskriterien auch im Web gelten müssen. Während Standard-Korrespondentin Stephanie Ruep hier vor allem auf die Hasspostings in Onlineforen verwies, gab Alexander Warzilek zu, dass sich der Presserat online schwer tut: „Unsere Arbeit fußt auf der Freiwilligkeit der Medienhäuser“. Da die Onlinemedien einerseits beim Presserat nicht mitmachen wollten und sich die Verleger der Zeitungen andererseits gegen die Erweiterung der Kompetenz des Presserats auf das Internet sperren würden, seien ihm die Hände gebunden.

Forschungsprojekte seit Montag online

Bei der abschließenden Frage, ob der Medienwandel nun im goldenen Käfig oder in der großen Freiheit endet, zeigten sich alle Podiumsgäste auf einer Linie. Die Umbrüche in der medialen Kommunikation seien zwar eine Herausforderung, würden die journalistische Arbeit aber erleichtern und allen Menschen mehr Möglichkeiten bieten. Mit dieser Einschätzung und mit einem Buffet endete die Podiumsdiskussion, die durch Land, Stadt und Arbeiterkammer Salzburg, Innocent, Trumer Pils, der Studierendenvertretung und den Fachbereich Kommunikationswissenschaft sowie von den ‚Friends of Kowi‘ gesponsert wurde. Damit die Imputs der Studierenden nicht nur die Podiumsgäste zur Diskussion anregen, stehen deren Forschungsprojekte der Öffentlichkeit seit Montag 27. Juni, auf dem Sonderfenster des Online-Journals zur Verfügung.

Ein Rückblick von Thomas Surrer für die Forschungsgruppe Medienwandel.

Hier geht es zur vollständigen Pressemitteilung

(Kein) Zurück zur Realität

Bildvorschlag 2Pinterest und die Wiener Digitalagentur Screenagers wollen zeigen, worin die Potenziale der virtuellen Realität für die Medienbranche liegen.

„It’s a real pin that looks like a virtual pin that looks like a real pin”. Pinterest testet in Brasilien zurzeit eine von der Agentur DM9DDB entwickelte Technologie, die es ermöglicht, reale Gegenstände in Geschäften auf den virtuellen Pinnwänden des sozialen Netzwerks abzuspeichern. Für diese Kampagne wurde der typische rote „Pinterest-Button“ real produziert – und dadurch eine Richtung eingeschlagen, die sich klassischen E-Commerce Strategien entgegensetzt. Wurden bislang Bemühungen dahingehend unternommen, dem Kunden virtuell das reale Shoppingerlebnis zu bieten, will Pinterest nun Virtuelles und Reales auf innovative Art miteinander verknüpfen.

Kann virtuelle Realität in den Medien wirken?

Virtuelle Realität ist nicht neu – und trotzdem bietet sie bisher ungenutzte Chancen, auch für die Medienbranche. Im Gaming-Sektor bereits fest verankert, soll dieses Phänomen künftig verstärkt in der Werbe- und Unterhaltungsbranche sowie im Journalismus Einzug halten. Eine im September vergangenen Jahres von der Knight Foundation und dem USA Today Network durchgeführte Studie erklärt das Jahr 2016 in diesem Zusammenhang als entscheidend: Es wird zeigen, ob die als „Immersive Journalism“ benannte neue journalistische Erzählform und andere mediale Bestreben hin zur „Virtual Reality“ langfristig Erfolg haben werden. Bereits 2010 hat eine Studie des SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung bestätigt, dass 3D-Werbung wirksamer ist als ihr Vorgänger in 2D und sogar die Kaufwahrscheinlichkeit erhöht. 360°-Videos sollen diese Wirkung noch verstärken.

360°-Werbung – Innovation oder Irrsinn?

Brauchen wir das wirklich? Eine Frage, die sich mittlerweile bei nahezu allen medientechnologischen Neuheiten stellt. Virtual Reality Apps, Virtual Reality Headsets und Brillen oder 360°-Werbespots sind da keine Ausnahme. Die Wiener Digitalagentur Screenagers ist sich zumindest sicher mit ihrem Tool Stereosense einen potenziellen Zukunftsmarkt der Unterhaltungsbranche eröffnet zu haben. Dieses Programm ermöglicht es, Werbung für den Nutzer unübersehbar im virtuellen Raum einzubetten. Schön für bestimmte Unternehmen und schön für den Nutzer, unter anderem um Reisedestinationen im Rundumblick eindrucksvoll darzustellen und zu erleben. Insgesamt ist diese neue Technologie aber nur für gewisse Branchen und nicht für jedes Unternehmen zu gebrauchen.

Wie virtuell darf die Realität sein?

Es ist unbestritten, dass Virtual Reality in all seinen Facetten zum Beispiel in der Wissenschaft oder Informationstechnik Erfolg hat. Sie funktioniert also, nur eben nicht immer. Die hier beschriebenen 360°-Videos oder „Real World-Pins“ sind nette Spielereien. Nicht mehr und nicht weniger – und das ist auch gut so. Denn bei all den wunderbaren Möglichkeiten, die neue Technologien und die virtuelle Realität uns bietet: Das wahre Leben findet offline statt. Sollte es zumindest. Zeitweise. Der Meinung sind anscheinend auch die Nutzer, wie der gescheiterte Versuch von „Linden Lab“, ein langfristig erfolgreiches „Second Life“ zu entwickeln, zeigt. Die Vorstellung, als Avatar sein virtuelles Leben frei zu gestalten und reale Medien und Werbung virtuell zu konsumieren, ist dann doch zu viel des Guten. Eine Bruchlandung, die darauf hoffen lässt, dass das Zurück zur Realität sehr wohl noch möglich ist.

09.06.2016: Ein Beitrag von Veronika Kolbeck und Katharina Wohlfahrt für die Forschungsgruppe Medienwandel.

Artikel als PDF

Quellen:

Lichterman, Joseph (2016): Report: 2016 will be critical for growth of VR in journalism. Online unter: http://www.niemanlab.org/2016/03/report-2016-will-be-critical-for-growth-of-vr-in-journalism/ (06.06.2016).

Nudd, Tim (2016): Pinterest’s Real-World Pins Let In-Store Shoppers Save Real Items to Virtual Boards. Online unter: http://www.adweek.com/news/technology/pinterests real-world-pins-let-store-shoppers-save-real-items-virtual-boards-171815 (06.06.2016).

Priesching, Doris (2016): 360-Grad-Videos: Medienbranche wittert Neuland. Online unter:
http://derstandard.at/2000038116002/360-Grad-Videos-Medienbranche-wittert-Neuland
(06.06.2016).

Virtual Reality Magazin (2011): Studie: Werbung wirkt besser in 3D. Online unter: http://www.virtual-reality-magazin.de/studie-werbung-wirkt-besser-3d (06.06.2016).