Autor: forschungsgruppemedienwandel

Wo nachmachen belohnt wird: Der Wettlauf der Social Networks

Die Konkurrenz im Netz ist gnadenlos. Statt Vielfalt herrscht Einfalt am Markt, wodurch sich die Sozialen Netzwerke immer ähnlicher werden. Am Ende überleben nur die Großen.

social networks

Facebook, Instagram, Snapchat, WhatsApp, Twitter – so viele Networks mit so vielen verschiedenen Features. Oder doch nicht? Tatsächlich sind die Entwicklungen am Social-Media-Markt ein Paradebeispiel für die Logik der Internetökonomie. Kaum führt ein Netzwerk ein neues Feature ein, wollen alle anderen es auch haben.

Bestes Beispiel: Instagram, das schon seit 2012 zum Facebook-Konzern gehört, ist im Wettkampf mit dem Instant-Messenger-Dienst Snapchat nichts anderes als eine Spielwiese für das Unternehmen von Mark Zuckerberg. Es ist die ideale Plattform, um neue Funktionen zu testen – dass diese meistens von Snapchat kommen, stört den Konzern nicht. Die „Stories“-Funktion zum bildhaften Erzählen von Geschichten, die Instagram von Snapchat abgekupfert hat, ist nur ein Beispiel dafür, wie sich die sozialen Netzwerke aneinander angleichen.

Das wirkt aus medienökonomischer Sicht zunächst unlogisch. Man würde vermuten, dass ein Produkt vor allem dann erfolgreich ist, wenn es sich von der Konkurrenz abhebt. Die Internetökonomie funktioniert aber grundlegend anders. Der Wettbewerb im Netz führt dazu, dass sich Produkte immer ähnlicher werden. Der Knackpunkt ist hierbei die Aufmerksamkeit der User. Wie die Plattformen genutzt werden, ist für die jeweiligen Netzwerke zweitrangig.

Viel wichtiger ist, wie lange sich die User auf der Plattform aufhalten. Je länger die Nutzungsdauer, desto höher sind die Werbeeinnahmen. Zusätzliche Features sind dabei der beste Weg, um User länger im Netzwerk zu halten. Diese Strategie funktioniert, wie das Beispiel der „Stories“-Funktion zeigt. Snapchat hat das Feature erfunden, Instagram hat es kopiert und ist damit nach nur kurzer Zeit sogar erfolgreicher als das Original. Die fortschreitende Konvergenz der sozialen Netzwerke hat also in erster Linie finanzielle Gründe. Wie lange dieses gegenseitige Abkupfern von Features noch fortgesetzt werden kann, ist fraglich – denn eines ist klar: Irgendwann werden die User nicht mehr wählen können, weil nur die Großen überleben.

Von Christian Hetzenauer und Katharina Maier

Artikel als PDF

Quellen:

T3n.de (2017): Instagram Stories überholt Snapchat – Snap-Aktie auf Sinkflug. Online unter http://t3n.de/news/instagram-stories-snapchat-aktie-815083/ (26.06.2017).

Lewanczik, Niklas (2017): Warum Soziale Netzwerke kaum mehr zu unterscheiden sind. Online unter https://onlinemarketing.de/news/soziale-netzwerke-gleichen-features (26.06.2017).

Advertisements

Streit um Hasskommentare: Gesetzesvorschlag in der Kritik

Der Gesetzentwurf von Heiko Maas in Deutschland ruft heftige Kritik hervor. Soziale Plattformen sollen stärker gegen Hass im Netz vorgehen. Bei einem Verstoß drohen hohe Bußgelder. Vor allem das Unternehmen Facebook wehrt sich gegen diesen Entwurf.

shield-1286293_1920Der Gesetzentwurf, auch „Facebook-Gesetz“ genannt, schreibt vor, dass offenkundig strafbare Inhalte innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden müssen. Verantwortlich dafür sollen die sozialen Netzwerke selbst sein. Bei Nichtbeachtung drohen ihnen Bußgelder von bis zu 50 Millionen Euro.

Das Unternehmen Facebook wehrt sich heftig gegen diesen Entwurf. Facebook ist der Meinung, es liege nicht in deren Verantwortung, gegen solche Inhalte vorzugehen. Stattdessen sei es die öffentliche Aufgabe des Staates, gegen Falschmeldungen und Hasskommentare zu kämpfen. Auch der Rechtsausschuss des Bundesrats denkt nicht, dass die Netzwerke das Recht haben sollten, zu entscheiden, welche Postings gelöscht werden.

Heftige Kritik gibt es auch bezüglich des Bußgeldes. So könnten Netzwerke vielmehr aus Zweifel und Angst Beiträge löschen, um sicher zu sein, dieses nicht zahlen zu müssen. Das Gesetz von Heiko Maas würde einen enormen Druck auf die Netzwerkbetreiber ausüben und damit die Meinungs- und Pressefreiheit stark einschränken. Denn der Entwurf ermöglicht keine freie Kommunikation, sondern unterbindet sie. Dabei sind gerade soziale Plattformen wie Facebook wichtige Instrumente für die Meinungsfreiheit. Grundrechte wie die Meinungsfreiheit müssen laut Artikel 5 des Grundgesetzes im Internet geschützt werden.

Doch Unternehmen wie Facebook dürfen sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Maas hat Recht damit, dass die Plattformen dafür zuständig sein sollten, schneller und konsequenter gegen Hasskommentare und Bedrohungen vorzugehen. Das Gesetz soll Druck auf die Netzwerke ausüben, damit auch diese sich in der Pflicht sehen, gegen strafbare Inhalte zu kämpfen.

Der deutsche Justizminister Maas hat mit seinem Entwurf jedoch einen Schnellschuss vorgelegt. So wollte er das Gesetz noch vor den Wahlen im September beschließen. Doch mit so viel Kritik und einem hohen Anspruch an den Gesetzentwurf könnte dies schwierig werden. Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, Hasskommentare sowohl mit rechtsstaatlichen Mitteln zu bekämpfen und damit Druck auf den Täter auszuüben, als auch die Plattformbetreiber in die Pflicht zu nehmen. Dies schafft in der Netzgemeinde Vertrauen statt Misstrauen.

Von Lea Frank und Julia Rafschneider

Artikel als PDF

 

Quellen

Herbold, Astrid (2017): Hasskommentare. Machine against the Rage. Online unter: http://www.zeit.de/digital/internet/2017-05/hasskommentare-kuenstliche-intelligenz-filter-facebook-google (06.06.2017).

Kamann, Matthias/Meier, Christian (2017): Facebook-Gesetz von Heiko Maas steht auf der Kippe. Online unter: https://www.welt.de/politik/deutschland/article165264494/Facebook-Gesetz-von-Heiko-Maas-steht-auf-der-Kippe.html (06.06.2017).

Spiegel Online (2017): Kampf gegen Hassrede. Facebook nennt Maas-Gesetz verfassungwidrig. Online unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-wehrt-sich-gegen-maas-gesetz-a-1149623.html (06.06.2017).

Foto: pixabay.com

“Kronen Zeitung” mit Fake News in den Online-Trends

Nach den Terroranschlägen in London sorgte die “Krone” mit einem ungeprüften Online-Artikel für Aufsehen. Sie berichtete über eine muslimische Friedensdemo, die der Nachrichtensender CNN angeblich arrangierte. Fake News, wie sich im Nachhinein herausstellte.

fake news bildEin Handy-Video nach dem Terroranschlag in London sorgte für heftige Diskussionen. Darin ist zu sehen, dass Sicherheitsleute muslimische Demonstranten durch eine Absperrung führen. Sie präsentieren Protestplakate gegen den Terror und den „Islamischen Staat“. Die CNN-Moderatorin geht live auf Sendung und berichtet über die Demonstration. Das Video verbreitete auch die Kronen Zeitung auf ihrer Webseite und unterstellte dem Nachrichtensender CNN, die Friedensdemo arrangiert zu haben. Auch die populistische Partei “Alternative für Deutschland” verbreitete das Video im Netz.
CNN weist die Anschuldigungen zurück. Sicherheitskräfte ließen die Demonstranten durch, um Blumen niederlegen zu können. Parallel dazu sei CNN live gegangen, die Moderatorin habe auf die Szene reagiert. Laut der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” streuten rechtskonservative Blogger die Gerüchte über die inszenierte Demo.

Der Inszenierungs-Vorwurf ist Fake News pur. Die Krone griff in ihrer Online-Ausgabe Teile der falschen Behauptungen auf. Der Bericht sorgte für über 7.400 Interaktionen und war einer der fünf erfolgreichsten deutschsprachigen Artikel am Pfingstmontag. Die Krone erreichte ihr Ziel, viele Clicks zu generieren. Clickbaiting ist online ein probates Mittel, in Kombination mit Fake News jedoch ein Tabu. Dass die Krone Fake News wiedergibt, ist inakzeptabel. Dieses Verhalten schwächt das Vertrauen in die Medien erneut.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 14.6.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

 

Foto: pixabay.com

 

„Don’t let yourself get fooled“ – Neue Impulse zu Fake News

„Fakten auf ihre Richtigkeit zu überprüfen“ ist das Motto des „International Fact-Checking Day“. Veranstaltet wurden zahlreiche Events und Workshops, um die Medienkompetenz der jungen Generation zu stärken. Laut des Journalisten Nicola Bruno sollen sich an diesem Tag junge Erwachsene mit dem Thema Fake News auseinandersetzen und mit Hilfe eingeladener Experten, welche die Idee des „Galaktischen Führer für Nachrichtenentdecker“ entwickelten, lernen, News von sogenannten Fake News zu differenzieren.

social-media-1846777_1920Hoaxes – verbreitete Falschmeldungen, die für wahr gehalten werden – sind seit dem amerikanischen Wahlkampf global und medial präsent. Nun stellt sich die Frage, wie Jugendliche damit umgehen. Der „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“ ist ein spielerisches Programm, das in erster Linie Fakten und Nachrichten auf ihre Richtigkeit überprüft. In seiner praktischen Aufmachung soll er vor allem die junge Generation ansprechen. Doch wie funktioniert dieser „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“? Auf der Startseite fliegt ein Raumschiff durchs All, das mittels einer Fakten-Checker-Laserkanone auf vorbeischwirrende Meldungen schießt. Diese fliegenden Nachrichten werden mit verschiedenen Farben nach wahr, falsch und unklar kategorisiert. Langfristiges Ziel ist es kritisches Bewusstsein zu schaffen.

Die oberste Priorität des Fact-Checking-Day‘s ist die Stärkung der Medienkompetenz von Jugendlichen. Diese Idee wird beim internationalen Journalismusfestival in Perugia, Italien, konkret umgesetzt. Spezialisten und junge Erwachsene arbeiten dabei in Workshops zusammen. 100 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren haben die technologischen Innovationen gleich getestet. Der „Galaktische Führer für Nachrichtenentdecker“ ist ein Beispiel für eine Applikation, die jungen Bürgern dabei hilft, die wichtige Kompetenz des Erkennens von „Fake News“ spielerisch zu erlernen.

Von Aylin Celebi, Katharina Hafner und Alina Schober, am 07.06.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

Miller-Aichholz, Pia (2017): Mit Laserkanonen gegen falsche Fakten. Online unter http://derstandard.at/2000058331286/Mit-Laserkanonen-gegen-falsche-Fakten (03.06.2017).

Perasso, Eva (2017): Arriva il „fact checking day“ Unagiornata per imparare a riconoscere le notizie false. Online unter http://www.corriere.it/tecnologia/cyber-cultura/17_marzo_31/arriva-fact-checking-day-giornata-imparare-riconoscere-notizie-false-a9c0e044-15ef-11e7-a7f8-4182acb95456.shtml (03.06.2017).

 

Foto: pixabay.com

 

Deutschland sagt Social Bots den Kampf an

Social Bots sollen künftig in sozialen Medien gekennzeichnet werden. Die Landes-Justizminister wollen sie mit einem neuen Gesetz aus der Anonymität holen. Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter sollen in Zukunft Beiträge von Bots erkennen. Auch gegen Personen, die Social Bots einsetzen, sollen vorgegangen werden.

Bild_Change KopieNicht nur Menschen sind auf Facebook und Twitter aktiv. Auch Roboter, sogenannte Social Bots, treiben dort ihr Unwesen. Bis zu 15 Prozent der rund 319 Millionen Twitter-Konten sind Bots. Sie können Meinungsbilder verzerren und Trends beeinflussen. Um die Nutzer davor zu schützen, wollen die deutschen Landes-Justizminister die Kennzeichnung von Bots gesetzlich durchsetzen. Betreiber von sozialen Medien müssen Beiträge von Bots markieren. Nutzer können so auf den ersten Blick Postings von Menschen und intelligenten Programmen unterscheiden. Die Initiative soll vor allem unerfahrenen Nutzern helfen. Auch Personen, die Roboter einsetzen, sollen in Zukunft Strafen erhalten. Den Bundesländern sei es dabei selbst überlassen, ob sie Bußgelder verhängen.

Der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf sieht vor allem den Einsatz von Bot-Armeen als problematisch an. Dieser stelle eine ernsthafte Gefahr für die politische Willensbildung dar. Unzählige Social Bots posten mit ihren falschen Profilen auf öffentlichen Seiten. Dadurch können sie die Themen-Agenda bestimmen und Diskussionen im Netz manipulieren. Wie das Portal Marktforschung.de berichtet, sehen auch die deutschen Wähler den Einsatz von Social Bots für die kommende Bundestagswahl im September kritisch. Nutzern muss klar sein, dass es Social Bots gibt und dass sie eine verzerrende Wirkung haben können. Die Kennzeichnungspflicht ist eine erste Maßnahme, Fake Profilen den Kampf anzusagen und ihren Einfluss auf politische Willensbildung zu begrenzen.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 28.6.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

derStandard (2017): Kennzeichnungspflicht für Roboter-Postings in Deutschland geplant. Online unter: http://derstandard.at/2000059415577/Kennzeichnungspflicht-fuer-Roboter-Postings-in- Deutschland-geplant (26.06.2017).

Oberhoff, Ina (2017): Bundestagswahl. Wähler wollen keinen Einsatz von Social Bots. Online unter: https://www.marktforschung.de/nachrichten/marktforschung/bundestagswahl-waehler-wollen-keineneinsatz-von-social-bots/ (26.06.2017).

Siegmann, Marten (2017): Twitter: Bis zu 48 Millionen Bot-Profile. Online unter: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Twitter-Bis-zu-48-Millionen-Bot-Profile-3650678.html (29.06.2017).

 

Foto: Nadine Kleinbauer/Martin Oberbichler

 

Bahrain – Pressefreiheit unter Beschuss

In Bahrain wurde kürzlich ein umstrittenes Verbot gegen die unabhängige Zeitung „Al-Wasat“ verhängt. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht  ist das ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit.

kette.jpg„Vorläufiges Verbot nach wiederholter Verletzung von Gesetzen und Gefährdung der nationalen Einheit und der Beziehungen mit anderen Ländern“, das sind die Anschuldigungen der Regierung des Wüstenstaates Bahrain gegen die unabhängige Zeitung „Al-Wasat“. Für den Chefredakteur Mansur al-Jamri kam die Entscheidung der Regierung aus heiterem Himmel. Er glaubt, dass ein Kommentar über Proteste in Marokko der Auslöser für das Verbot sei. Der Zeitung sei es nicht ermöglicht worden Stellung zu beziehen und Argumente gegen eine Schließung vorzubringen.

Als schweren Schlag gegen die Pressefreiheit in Bahrain, so kann man das Verbot der Zeitung „Al-Wasat“ aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht sehen. Unabhängige Berichterstattung, kritisches Hinterfragen oder Satire – diese wesentlichen Merkmale des Journalismus sind jedoch nach wie vor in vielen arabischen Ländern nahezu unmöglich, wie der jüngste Fall beweist.

Was kann man dagegen tun? Ein Erdöl-Embargo oder weitere politische Sanktionen werden vermutlich wenig Erfolg haben. Als Kommunikationswissenschafter kann man über solche Ereignisse berichten, sie kritisch betrachten und der Welt zeigen, dass diese schwerwiegenden Verstöße gegen die Pressefreiheit in unseren Ländern nicht unkommentiert hingenommen werden. Unsere Aufgabe ist es, Missachtungen immer wieder aufs Neue aufzuzeigen und darüber zu informieren. Menschenrechte sind unteilbar. Ein Recht auf freie Meinung gilt auch für Menschen, die in Ländern leben, deren Staatsform eine konstitutionelle Monarchie ist.
Unsere Rechte in Europa sind nicht über Nacht entstanden. Auch hier musste man für Demokratie und Unabhängigkeit kämpfen. Sich einsetzen für seine Werte, glauben an eine Welt in der freie Meinungsäußerungen nicht geahndet wird. Für sich selbst einstehen. Das ist der Weg der langfristig zu einer Veränderung führt.

Von Kati Markut und Christian Guter, am 24.6.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

derStandard (2017): Regierung in Bahrain untersagt Zeitung die Arbeit. Online unter: http://derstandard.at/2000058736104/Regierung-in-Bahrain-untersagt-Zeitung-die-Arbeit (12.6.2017).

Kurier (2017): Regierung in Bahrain untersagt Zeitung die Arbeit. Online unter: https://kurier.at/politik/ausland/regierung-in-bahrain-untersagt-zeitung-die-arbeit/267.894.509 (12.6.2017).

 

Foto: pixabay.com

Trump rettet Qualitätsmedien

US-Präsident Trump verschärft seinen Kampf gegen die Presse, doch gleichzeitig stärkt er sie. Mit seinen widersprüchlichen und konfusen Aussagensteigt die Relevanz von glaubwürdigen und neutralen Medien. Allein die „New York Times“ hat im letzten Quartal im US-Wahljahr 2016 mehr Neukunden als in den Jahren 2013 und 2014 dazugewonnen.

newspaper-1959739_1920Die Qualitätsmedien der USA haben in den letzten Monaten ein gewaltiges Plus bei ihren Abonnenten bekannt gegeben. Bereits im ersten Quartal gab die „New York Times“ ein Plus von 308.000 Abonnenten bekannt. Auch das „Wall Street Journal“ hat im Wahljahr 2016 insgesamt 300.000 neue Abos hinzugewonnen. Grund dafür soll ausgerechnet Trump sein. Der US-Präsident zeigt offen seine Wut auf die US-Medien, schließt Medienvertreter von Pressekonferenzen aus und setzt sich dafür ein, dass Journalisten ihre Quellen mit Namen angeben müssen. Und so stärkt er die Qualitätsmedien in den USA? Ein Paradox?

Der Anstieg der Abonnentenliefert den Beweis dafür, dass gerade in politisch schwierigen Zeiten die Leserinnen und Leser qualitativ hochwertige Beiträge wertschätzen. Trumps Aussagen sind oft nicht glaubwürdig, verdrehen die Fakten und bringen nur seine eigene Realität hervor. Die Bürger wollen sich aber neutral informieren und wenden sich wieder vermehrt dem Angebot der Qualitätsmedien zu. Das stärkt auch den Anspruch an guten und glaubwürdigen Journalismus und könnte den Qualitätsmedien wieder mehr Glaubwürdigkeit verleihen.

Dabei ist es die Aufgabe eines Journalisten stets fair und genau zu berichten. Der Pressekodex legt fest, dass alle Journalisten dazu verpflichtet sind, die Bevölkerung wahrheitsgemäß zu unterrichten, Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und falsche Meldungen sogleich richtig zu stellen. So ist es gerade Trumps loser Umgang mit der Unwahrheit, der nun dazu führt, dass Journalisten wieder ein demokratisches Sendungsbewusstsein entwickeln. Denn gerade dann, wenn es die Führung der größten Macht der westlichen Welt mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, sind Journalisten gefordert und ihre Leistungen nachgefragt. Sehr zum Missfallen von US-Präsident Trump. Aber sehr zum Vorteil der Demokratie.

Von Lea Frank und Julia Rafschneider, am 21.5.2017

Artikel als PDF

 

Quellen

Bpb (2011): Wer Journalisten sind und wie sie arbeiten. Online unter: https://www.bpb.de/izpb/7527/wer-journalisten-sind-und-wie-sie-arbeiten?p=all (17.05.2017).

Nzz.ch (2017): Trump Effekt? Starker Abo-Zuwachs beim „Wall Street Journal“. Online unter https://www.nzz.ch/feuilleton/medien/trump-effekt-starker-abo-zuwachs-beim-wall-street-journal-ld.1292196 (15.05.2017).

Tagesschau.de (2017): US-Präsident. Trumps Krieg gegen die Medien. Online unter https://www.tagesschau.de/ausland/trump-us-medien-101.html (15.05.2017).

Ulusoy, Dogan Michael (2017): Ein Segen für die Medien? Wie Trump ungewollt den Journalismus stärkt. Online unter http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ein-segen-fuer-die-medien-wie-trump-ungewollt-den-journalismus-staerkt/19450928.html (15.05.2017).

 

Foto: pixabay.com

Europa, sag endlich STOPP!

In der Türkei erfolgt gerade eine drastische Einschränkung der Pressefreiheit. Mit solch massiven Eingriffen in die freie Meinungsbildung entfernt sich das Land immer weiter von den europäischen Werten. Die EU ist jetzt gefordert der Türkei klare Grenzen aufzuzeigen.

news-1172463g_960_720Das Regime in der Türkei hat wieder zugeschlagen und Journalisten vom kritischen Boulevardblatt „Sözcü“ verhaftet. Kritische und objektive Berichterstattung seit dem Putschversuch am 15. und 16. Juli 2016 scheint nun einigen Journalisten des Blattes zum Verhängnis zu werden. Nur der Besitzer der Zeitung, Buray Akbay, kann sich bisher dem Regime entziehen. Vermutlich befindet er sich im Ausland, von wo aus er wohl nicht allzu schnell in die Türkei zurückkehren wird. Was den verhafteten Journalisten jetzt blühen kann, zeigt das aktuelle Urteil gegen Cevheri Güven und Murat Capan. Wegen eines Erdogan kritischen Titelblatts müssen die beiden leitenden Journalisten des Nachrichtenmagazins „Nokta“ für mehr als 22 Jahre in Haft. Auch Deutschland ist von solchen Vorfällen betroffen. So wurde Mitte Februar diesen Jahres Deniz Yücel, Türkeikorrespondent der Zeitung „Die Welt“ in U-Haft genommen. Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung wird ihm vorgeworfen. Die Vorgänge stoßen bei der deutschen Regierung auf Unverständnis. Außenminister Sigmar Gabriel spricht von „schwierigen Zeiten für die deutsch-türkischen Beziehungen.“

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei ein massiver Eingriff in die freie Meinungsbildung. Die Distanz zwischen Staat und Presse ist nicht mehr gegeben. Diese ist aber sehr wichtig, da objektive Berichterstattung, Kritik sowie Satire zu einer funktionierenden Demokratie dazugehören. Die Presse kann ihre Kontrollfunktion gegenüber dem Staat nicht mehr ausüben. Auch der Europarat übt scharfe Kritik und sieht die vorhandenen Einschränkungen ebenfalls als eine Gefahr für die Grundlagen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Die Türkei entfernt sich mit der Einschränkung der Pressefreiheit und fragwürdigen Verhaftungen immer weiter von den europäischen Werten. Trotzdem fliesen weiterhin EU-Gelder in dieses Land und die EU-Beitrittsgespräche liegen nur auf Eis. Angela Merkel, Emmanuel Macron und Co. sind jetzt gefordert der Türkei klare Grenzen aufzuzeigen. Europa, sei stark und sag endlich STOPP zu diesem Wahnsinn!

Von Christian Guter und Katrin Markut, am 30.5.2017

Artikel als PDF

Quellen

Neue Zürcher Zeitung (2017): Mehr als 22 Jahre Haft für Chefs eines Satiremagazins in der Türkei. Online unter: https://www.nzz.ch/international/erdogan-kritisches-titelblatt-mehr-als-22-jahre-haft-fuer-chefs-eines-satiremagazins-in-der-tuerkei-ld.1295832 (29.5.2017).

taz (2017): Razzia gegen drittgrößte Zeitung. Online unter: http://www.taz.de/!5410883/ (29.5.2017).

Zeit (2017): Gabriel sieht große Belastungen  im Verhältnis zur Türkei. Online unter: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-02/deniz-yuecel-tuerkei-sigmar-gabriel-kritik-aussenminister-pkk (29.5.2017).

Foto: Pixabay

Biete Bloßstellung, Suche Aufmerksamkeit – Boulevardmedien im digitalen Zeitalter

Die Boulevardmedien „Heute“ und „Österreich“ lassen aktuell mit Verstößen gegen das Persönlichkeitsrecht aufhorchen. Beide Fälle stehen exemplarisch für die aktuellen Entwicklungen in jener Medienbranche: Der Kampf um Aufmerksamkeit wird immer brutaler.

Medientext_Pixabay Leiche TatortKürzlich musste sich „Heute“ wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten vor Gericht verantworten. Auslöser war die Berichterstattung über eine Gruppenvergewaltigung in Wien Anfang des Jahres, bei der die Tageszeitung die Identität des Opfers preisgab. Wegen der Publikation von Vornamen, Herkunftsort und Teilen des Nachnamens verhängte das Wiener Landesgericht nun eine Strafe von 5.000 Euro.

Aus ähnlichen Gründen erregte auch die Gratiszeitung „Österreich“ zuletzt Aufmerksamkeit: Anfang März berichtete das Boulevardmedium von einer einbetonierten Leiche. Dazu veröffentlichte das Boulevardblatt ein unverpixeltes Foto der Verstorbenen. Der Presserat sah darin einen Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz des Opfers.

Ein Kampf um die Gunst des Publikums

Die Problematik liegt auf der Hand: Vor allem Boulevardmedien verletzen immer häufiger die Intimsphäre von Menschen. Das Ziel: Das Interesse der Leserschaft stetig aufrechtzuerhalten. Die Fälle von „Österreich“ und „Heute“ sind nur zwei weitere Beispiele für diese inakzeptable Entwicklung.

Im Zeitalter der Digitalisierung hat die Gesellschaft schier endlose Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung. Umso wichtiger ist es für Medien, mit sensationeller, skandalöser Berichterstattung für Aufsehen zu sorgen. Im Kampf um die Gunst des Publikums scheint daher jedes Mittel recht – gibt es auch noch so viele Opfer. Drastischere Strafen seitens der Justiz könnten diesen Entwicklungen entgegenwirken. Letztendlich ist aber vor allem das Publikum selbst gefragt, eine solch menschenverachtende Berichterstattung zu meiden.

Von Katharina Maier und Christian Hetzenauer, am 23.5.2017

Artikel als PDF

Quellen

derStandard (2017): Vergewaltigung: Nach „Krone“ auch „Heute“ verurteilt. Online unter: http://derstandard.at/2000058104213/Artikel-ueber-Vergewaltigung-Nach-Krone-auch-Heute-verurteilt (23.5.2017).

derStandard (2017): Presserat rügt „Österreich“ für unverpixeltes Bild von Verstorbener. Online unter: http://derstandard.at/2000058153194/Presserat-ruegt-Oesterreich-fuerunverpixeltes-Fotos-von-Verstorbener (23.5.2017).

Foto: Pixabay

Wissen als Bedrohung: Türkei blockiert Wikipedia

Die Türkei hat den Zugang zum Online-Lexikon Wikipedia gesperrt. Die Regierung unterstellt den Betreibern der Seite Terrorpropaganda. Ein türkisches Gericht bestätigte die Blockade am 5. Mai. Dieser Schritt des Regimes geht zu weit.

wikipedia-1802614_1920Den türkischen Informationssuchenden steht eine harte Zeit bevor. Die zentrale Online-Wissensquelle Wikipedia ist versiegt. Die türkische Regierung sperrte die Seite wegen regierungsfeindlicher Propaganda. Das Regime beschuldigt die Betreiber, die Türkei in einigen Artikeln auf eine Stufe mit Terroristen zu stellen. Eine Beschwerde gegen die Sperre seitens der Wikimedia-Stiftung wurde zurückgewiesen.

Bereits 2014 legte sich Präsident Erdogan mit dem Kurznachrichtendienst Twitter an und sperrte seinen Zugang. Die Sperre des Online-Lexikons ist ein neuer Willkür-Akt Erdogans, der jede Kritik gegenüber der Regierung bestraft. Die zunehmende Einschränkung der Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit ist eine Besorgnis erregende Entwicklung.

Die Türkei ist seit 1949 Vollmitglied des Europarats, der die Einhaltung von Menschenrechten überwacht. Die türkische Regierung muss sich an die Europäische Menschenrechtskonvention halten. Ihre Wikipedia-Sperre ist auch hinsichtlich Artikel 10 – “Freiheit der Meinungsäußerung” – untragbar.

Nicht nur Journalisten sind durch die Einschränkungen mit Problemen konfrontiert. Der freie Zugang zu Information wird für Internetnutzer in vielen Ländern immer stärker begrenzt. Die jüngste türkische Sperre ist dafür nur ein weiteres Beispiel.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler, am 10.5.2017

 

Artikel als PDF

Quellen

Hasan Gökkaya (2017): Türkische Regierung sperrt Wikipedia. Online unter: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/tuerkei-sperre-wikipedia (08.05.2017).

Zeit Online (2017): Gericht in Ankara bestätigt Sperre von Wikipedia. Online unter: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/tuerkei-wikipedia-sperre-beschwerde-gericht-blockade (08.05.2017).

derStandard (2014): Türkei verschärft Twitter-Sperre, Präsident übt Kritik. Online unter: https://derstandard.at/1395362921190/Tuerkei-verschaerft-Twitter-Sperre-Praesident-schaltet-sich-ein (08.05.2017).

Foto: Pixabay