Der Verlierer im Fußball: die klassischen Medien

Auf eigenen Videoportalen der Fußballvereine erhalten Fans zu jeder Zeit Informationen über ihre Mannschaften. Sowohl im Digitalfernsehen als auch im Internet werden Talkshows, Interviews und Analysen gezeigt. Die Vereine wollen damit ihr öffentliches Bild zunehmend selbst bestimmen. Den Sportjournalismus stellt diese Entwicklung jedoch vor einige Herausforderungen.

Bild DACH-Artikel_Frank Rafschneider

Real Madrid, Borussia Dortmund, 1. FC Köln, Manchester United und seit Anfang des Jahres auch Bayern München: diese Fußballvereine betreiben ihren eigenen Vereinssender. Die Fans haben sowohl im Digitalfernsehen als auch im Internet die Möglichkeit, zu jeder Zeit Informationen über ihren Verein zu erhalten. Inhalte wie Talkshows, Pressekonferenzen, Spiel-Highlights und Interviews sind dauerhaft zugänglich – für sechs Euro im Monat. Das Ziel der Vereine mit den eigenen Sendern besteht darin, die Fans mit denjenigen Informationen zu versorgen, die die Vereine selbst aussuchen.

Die eigenen Vereinssender haben weitreichende Folgen für den Sportjournalismus. Sportredaktionen befinden sich durch die Angebote der Vereine in einem Umbruch. Die Fans sollen die eigenen Inhalte auf der Vereinsseite anklicken und konsumieren. Um dies zu erreichen, schotten die Vereine die Spieler ab und erschweren den Zugang zu den Spielern. So haben die Journalisten immer weniger die Möglichkeit, mit Spielern und Trainern zu reden und kritische Fragen zu stellen. Dies birgt die Gefahr einer vereinsdominierten Kommunikation. Die Vereine liefern ihren Fans nur noch eigens produzierte Nachrichten, um sich und ihre Ziele besonders gut darzustellen. Wohin diese Entwicklung führen kann, sieht man in England mit der Premier League oder den USA mit der NBA und NFL. Nicht selten sperren Vereine Journalisten ganz aus.

Für die klassischen Fernsehsender sehen die Vereine selbst jedoch keine Probleme. „Wir würden keine Dinge exklusiv bei FC.TV machen und das dann nicht anderen auch zur Verfügung stellen. Im Gegenteil: Wir bieten sehr, sehr viel Footage auch für TV-Sender an“, sagt Tobias Kaufmann vom 1. FC Köln. Die Fernsehsender machen von diesem Angebot unterschiedlich Gebrauch. Denn durch die Verwendung von Inhalten der Vereinssender steht die journalistische Unabhängigkeit auf dem Spiel. Während Sky nur auf eigenes Material zurückgreift, zeigt das ZDF Vereinsmaterial unter der Bedingung, dass diese Inhalte auch gekennzeichnet werden.

Eine Win-Win-Situation, wie es sie früher noch für Sportjournalisten und Fußballvereine gab, ist das nicht mehr. Mit Hilfe der sozialen Medien erreichen die Sportvereine ihre Fans zwar besser und schneller, versorgen sie allerdings nur mit bestimmten Informationen, um den Verein besser vermarkten zu können. Thomas Horky, Professor für Sportjournalistik an der Hamburger Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, sieht diese Entwicklung mit Sorge: „Dadurch wird die Arbeit unabhängiger Medien verhindert. Das ist Nichtjournalismus.“ Die Digitalisierung und die steigende Mobilnutzung führen dazu, dass die klassischen Medien für die Vereine an Wert verlieren. Eine unabhängige Berichterstattung ist damit nicht mehr gesichert. Dabei sind hier nicht nur die Journalisten betroffen, sondern vor allem die Leser und Fans. Sie können nur noch schwer unterscheiden, welche Inhalte von den Pressestellen der Vereine kommen und welche von echten Reportern. Damit verändert sich auch die Medienlandschaft. Klassische Medien verlieren ihre Gestaltungsmacht, die Vereine sind nicht mehr abhängig und können sich selbst an die Öffentlichkeit wenden. Eine dominierende Macht der Gatekeeper in Gestalt der klassischen Massenmedien gibt es dann nicht mehr.

Von Lea Frank und Julia Rafschneider

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Quellen:

Jungblut, Matthis (2017): Fußball-TV. Herausforderungen für den Sportjournalismus. Online unter http://www.deutschlandfunk.de/fussball-tv-herausforderungen-fuer-den-sportjournalismus.2907.de.html?dram:article_id=402255

Spiller, Christian (2017): Wenn Fußballklubs sich selbst interviewen. Online unter: http://www.zeit.de/sport/2013-11/fussball-klubtv-journalismus-fcbayern (23.12.2017).

Foto: pixabay.com

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