Doch kein Einheitsbrei aus Essen und Köln

Die Gespräche über die Zusammenarbeit der Medienkonzerne Funke und DuMont bei der überregionalen Berichterstattung sind gescheitert. Kooperationen von Zeitungs- und Verlagsgruppen stellen schon lange einen Trend dar – zum Schaden der Meinungsvielfalt.

Zeitungen

Die stark rückläufigen Erlöse der deutschen Tagespresse haben die Diskussion um Kooperationen und Fusionen unter Zeitungs- und Presseverlagen neu entfacht.

Erst kürzlich haben die Zentralredaktion von Funke mit Sitz in Essen und das Kölner Zeitungshaus DuMont über weitreichende Kooperationen verhandelt. Dabei sei es neben der Vermarktung und dem Vertrieb auch um eine Zusammenarbeit in der regionalen Berichterstattung gegangen. Laut einem Bericht der F.A.Z. kam es aber zu keiner Einigung zwischen den beiden Medienkonzernen. Zu unterschiedlich waren die Vorstellungen beider Unternehmen. Demnach wollte DuMont die von Funkes Zentralredaktion hergestellten überregionalen Inhalte nicht kaufen. Auch die Hannoveraner Madsack-Gruppe verhandelte bereits mit DuMont über eine Zusammenarbeit für die überregionale Berichterstattung.

Die überregionale Berichterstattung kleinerer Zeitungen wird schon lange von größeren Verlagen beliefert. Größere Verlagsgruppen bilden nun vermehrt große Zentralredaktionen, die Zeitungen mit Artikeln versorgen.

Verlage wie DuMont sehen dabei wirtschaftliche Vorteile: Sie können Kosten und Personal einsparen, gefährden dabei aber die Meinungsvielfalt. Versuche einer derartigen Medienkonzentration führen dazu, dass eine vielfältige Berichterstattung nicht mehr gewährleistet ist. Leser haben das Gefühl, das Gleiche in verschiedenen Zeitungen zu lesen und dieselben Informationen zu erhalten. Es entsteht eine Einheitsberichterstattung und ein Verlust der Meinungsvielfalt. Auch verändern sich die Machtverhältnisse zwischen Politikern und Journalisten.

Eine derartige Medienkonzentration ist nichts Neues. Bereits im Jahr 2001 legte der Axel Springer Verlag Teile der Redaktionen der „Berliner Morgenpost” und der „Welt” zusammen. Auch damals haben Beobachter eine Gefährdung der Meinungsvielfalt kritisiert.

Die Tageszeitungen sind für die Meinungsbildung erforderlich und eine freie, regelmäßige erscheinende Presse ist für die Demokratie unentbehrlich. Um eine Vielfalt in der Berichterstattung zu gewährleisten, reicht es nicht aus, Nachrichten lediglich bereitzustellen. Daher ist es als positiv zu bewerten, dass die Gespräche zwischen Funke und DuMont erstmal gescheitert sind. Hintergründe und die Einordnung der Informationen werden immer wichtiger, benötigen aber auch immer mehr Ressourcen. Dabei darf die journalistische Qualität nicht verloren gehen. Um diese zu gewährleisten, müssen Rahmenbedingungen gefördert und verpflichtende Redaktionsstatuten für alle Medien eingeführt werden.

Von Lea Frank und Julia Rafschneider

Artikel als PDF

Quellen:

Hauser, Jan (2017): Funke und DuMont kommen nicht zusammen. Online unter: http://blogs.faz.net/medienwirtschaft/2017/10/11/funke-und-dumont-kommen-nicht-zusammen-1417/ (17.11.2017).

Meedia Redaktion (2017): Gespräche über Zeitungs-Kooperationen: Forscher warnt vor „flächendeckend einheitlicher Berichterstattung“. Online unter: http://meedia.de/2017/10/05/gespraeche-ueber-zeitungs-kooperationen-forscher-warnt-vor-flaechendeckend-einheitlicher-berichterstattung/ (20.11.2017).

Foto: pixabay.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s