Wettkampf statt Inhalte: Politberichte in neuem Stil

Dirty Campaigning, Spitzel- und Bestechungsvorwürfe, Klagen: Vergangenen Sonntag ging ein besonders schmutziger Nationalrats-Wahlkampf in Österreich zu Ende. Boulevardzeitungen mischten in dieser turbulenten Zeit politisch mit.

papierbootIn diesem Wahlkampf standen Skandale statt Inhalte im Fokus der Medienberichterstattung. Vor allem Boulevardblätter wie die „Kronen Zeitung“ und „Österreich“ verfingen sich im sogenannten Horse-Race-Journalismus. Diese Bezeichnung steht für eine Berichterstattung,  die sich mit politischem Wettbewerb und Konfrontationen beschäftigt. Somit standen Spekulationen darüber, welche Partei vorne liegt, an der Tagesordnung. Diese journalistische Form ist ein Beispiel dafür, dass sich die politische Berichterstattung immer mehr amerikanischen Verhältnissen annähert. In dieser amerikanisierten oder modernisierten Wahlkampfberichterstattung verdrängen Personen, Skandale und das Wettrennen um die Plätze inhaltliche Wahlkampfthemen.

Kommunikationswissenschaftler Josef Seethaler kritisiert, dass der Journalismus momentan einen Beitrag zur Politikverdrossenheit leiste. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Gewichtung in der Berichterstattung von inhaltlichen Fragen zu Horse-Race-Themen verlagert. Auch Qualitätsmedien würden im Wahlkampf zu dieser Form des Journalismus neigen. Die Wähler informieren sich vorwiegend über das Fernsehen und in den Tageszeitungen über Politik und Wahlkämpfe. Es ist Pflicht der Medien, sachpolitische Inhalte aufzuarbeiten und zu erläutern. Diese Berichte können den Wählern helfen, sich eine Meinung zu bilden und ihre politische Kompetenz zu stärken. Der Wettbewerbs- und Konfrontationscharakter von Politik steht jedoch klar im Fokus medialer Berichte. Die Wahlkampfzeit in Österreich hat gezeigt: Skandale und Untergriffigkeiten haben hohen Nachrichtenwert und verdrängen wesentliche Inhalte immer mehr.

Von Nadine Kleinbauer und Martin Oberbichler

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Quellen:

Fellner, Sebastian (2017): Kampagnen und Skandale: Der Wahlkampf aus den Redaktionen. Online unter: derstandard.at/2000065830867-1216919032678/Kampagnen-und-Skandale-Der-Wahlkampf-aus-den-Redaktionen (13.10.2017).

Lengauer, Günther (2007): Postmoderne Nachrichtenlogik: Redaktionelle Politikvermittlung in Medienzentrierten Demokratien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Plasser, Fritz (Hg.) (2009): Politik in der Medienarena. Praxis politischer Kommunikation in Österreich. Wien: Facultas.

Foto: pixabay.com

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