Biete Bloßstellung, Suche Aufmerksamkeit – Boulevardmedien im digitalen Zeitalter

Die Boulevardmedien „Heute“ und „Österreich“ lassen aktuell mit Verstößen gegen das Persönlichkeitsrecht aufhorchen. Beide Fälle stehen exemplarisch für die aktuellen Entwicklungen in jener Medienbranche: Der Kampf um Aufmerksamkeit wird immer brutaler.

Medientext_Pixabay Leiche TatortKürzlich musste sich „Heute“ wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten vor Gericht verantworten. Auslöser war die Berichterstattung über eine Gruppenvergewaltigung in Wien Anfang des Jahres, bei der die Tageszeitung die Identität des Opfers preisgab. Wegen der Publikation von Vornamen, Herkunftsort und Teilen des Nachnamens verhängte das Wiener Landesgericht nun eine Strafe von 5.000 Euro.

Aus ähnlichen Gründen erregte auch die Gratiszeitung „Österreich“ zuletzt Aufmerksamkeit: Anfang März berichtete das Boulevardmedium von einer einbetonierten Leiche. Dazu veröffentlichte das Boulevardblatt ein unverpixeltes Foto der Verstorbenen. Der Presserat sah darin einen Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz des Opfers.

Ein Kampf um die Gunst des Publikums

Die Problematik liegt auf der Hand: Vor allem Boulevardmedien verletzen immer häufiger die Intimsphäre von Menschen. Das Ziel: Das Interesse der Leserschaft stetig aufrechtzuerhalten. Die Fälle von „Österreich“ und „Heute“ sind nur zwei weitere Beispiele für diese inakzeptable Entwicklung.

Im Zeitalter der Digitalisierung hat die Gesellschaft schier endlose Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung. Umso wichtiger ist es für Medien, mit sensationeller, skandalöser Berichterstattung für Aufsehen zu sorgen. Im Kampf um die Gunst des Publikums scheint daher jedes Mittel recht – gibt es auch noch so viele Opfer. Drastischere Strafen seitens der Justiz könnten diesen Entwicklungen entgegenwirken. Letztendlich ist aber vor allem das Publikum selbst gefragt, eine solch menschenverachtende Berichterstattung zu meiden.

Von Katharina Maier und Christian Hetzenauer, am 23.5.2017

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Quellen

derStandard (2017): Vergewaltigung: Nach „Krone“ auch „Heute“ verurteilt. Online unter: http://derstandard.at/2000058104213/Artikel-ueber-Vergewaltigung-Nach-Krone-auch-Heute-verurteilt (23.5.2017).

derStandard (2017): Presserat rügt „Österreich“ für unverpixeltes Bild von Verstorbener. Online unter: http://derstandard.at/2000058153194/Presserat-ruegt-Oesterreich-fuerunverpixeltes-Fotos-von-Verstorbener (23.5.2017).

Foto: Pixabay

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