Wie viel sind uns die Gratismedien wert?

Eine staatliche Förderung von Gratismedien ohne Qualitätskriterien würde dem Grundgedanken der Presseförderung widersprechen. 

Wie viel sind uns die Gratismedien wert?

Geht es nach Medienminister Thomas Drozda (SPÖ) soll die Presseförderung zwar von derzeit acht auf künftig 17 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden, allerdings sollen auch Gratismedien wie Heute und Österreich in den Genuss dieser staatlichen Unterstützung kommen. Das sorgt derzeit für heftige Kritik von Kaufzeitungen und nicht-kommerziellen Medien.

Die Frage, wie viel Gratismedien in einer Demokratie wert sind, ist demokratiepolitisch, aber auch kommunikationswissenschaftlich heikel. Die Medienökonomie kennt aber eine klare Antwort: Eine Förderung von Gratismedien würde dem Grundgedanken der Presseförderung widersprechen – dieser ist nämlich Vielfalt. Die Förderung sollte demnach jenen Medien dienen, die (zum Beispiel durch höhere Qualitätsansprüche) mit größeren Ausgaben zu kämpfen haben und sich deshalb sowohl am Lesermarkt als auch am Anzeigenmarkt nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen können.

Würden die Marktriesen nun auch Förderungen bekommen, geht der Vielfaltsgedanke verloren und damit der eigentliche Sinn einer staatlichen Presseförderung. Im Gegenteil, der Schuss würde sogar nach hinten losgehen: Gratismedien wie Heute und Österreich, die ohnehin schon einen großen Teil des Werbemarktes beherrschen, könnten durch günstigere Werbeeinschaltungen noch größeren Druck auf die Konkurrenz ausüben – und das, obwohl sie durch staatlich finanzierte Inserate bereits jetzt eine versteckte Förderung erhalten. Dies kann sich unmittelbar auf den Lesermarkt auswirken: Durch das zusätzliche Körberlgeld aus der Presseförderung können Heute und Österreich ihre Auflage erhöhen und damit größere Reichweiten erzielen.

Grundsätzlich darf in der Debatte um die neue Presseförderung also eines nicht vergessen werden: Die Kleinen zu stärken, indem man die Großen fördert, widerspricht nicht nur dem Hausverstand, sondern auch der Medienökonomie.

Von Christian Hetzenauer und Katharina Maier, am 9.5.2017

Quellen:

derStandard (2017): Keine Medienförderung ohne Qualitätskriterien, fordern alternative Medien. Online unter http://derstandard.at/2000057030733/Keine-Medienfoerderung-ohne-Qualitaetskriterien-fordern-alternative-Medien (30.05.2017)

Trappel, Josef (2017): Neue Medienförderung zementiert die Krise. Online unter http://derstandard.at/2000052788157-1326502889818/Neue-Medienfoerderung-zementiert-die-Krise. (30.05.2017).

Foto: Katharina Maier

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