Warum telefonieren, wenn man auch schreiben kann

GRAFIKWas haben WhatsApp, Facebook, Twitter, Skype und Snapchat gemeinsam? Auf dem Smartphone dienen uns diese Apps als Kommunikationskanäle. Doch bedeutet diese Vielzahl an kommunikativen Möglichkeiten tatsächlich Vielfalt im Kommunikationsverhalten? Dieser Frage ist die Forschungsgruppe Medienwandel der Universität Salzburg genauer nachgegangen.

Auf die Situation kommt es an

Textnachrichten sind mit Abstand die am häufigsten genutzte Kommunikationstechnologie. Das belegt eine aktuelle Untersuchung zum kommunikativen Verhalten von Salzburger Studierenden. Daneben spielt die Situation der Nutzung eine entscheidende Rolle: In „Ausnahmesituationen“ wie Streitgesprächen ziehen die Studierenden nach wie vor die direkte Kommunikation vor. Auch im Berufsalltag greifen sie auf „klassische“ Technologien wie Telefonat und E-Mail zurück. Trotzdem: Schreiben ist immer leichter als Reden, findet der Großteil der Befragten. Darüber hinaus ist die Wahl der Kommunikationstechnologie zeit-, stimmungs- und ortsabhängig. Demnach gilt: Bei viel Zeit, guter Laune und/oder zu Hause wird mehr kommuniziert als bei wenig Zeit, schlechter Laune und/oder in der Öffentlichkeit.

Technologie beeinflusst das Kommunikationsverhalten

Die jeweilige Kommunikationstechnologie erzeugt und begünstigt ganz bestimmte Verhaltensweisen. Die zentrale Annahme der Untersuchung kann gestützt und ein Einfluss der Technologie auf das kommunikative Verhalten nachgewiesen werden. Die Wahl der Technologie ist von verschiedenen Faktoren abhängig, womit die Forscherinnen eine gewisse Kommunikationskultur unter den Studierenden identifizierten. Was das aus medienhistorischer und medientechnologischer Sicht bedeutet? Wie die Technologie ist auch das Kommunikations- und Nutzungsverhalten einem stetigen Wandel unterlegen. Grund genug, von Zeit zu Zeit diesen Wandel genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das tut nicht nur die Forschungsgruppe Medienwandel, sondern zum Beispiel auch das Forum Mobilkommunikation – und kommt mit einer Umfrage unter 14- bis 19-Jährigen zu ähnlichen Ergebnissen: „Es klingt für viele Erwachsene seltsam, aber für immer mehr Teenager gilt: Warum telefonieren, wenn man auch mit Whatsapp kommunizieren kann? Für Jugendliche sind Kurznachrichten inzwischen wichtiger als Telefonate.“

Vielzahl gleich Vielfalt?

Ein Blick ins Internet und den App Store suggeriert unbegrenzte Kommunikationsmöglichkeiten. Um noch einmal auf den Anfang zurückzukommen: Bedeutet Vielzahl in diesem Fall auch tatsächlich Vielfalt? Diese Frage kann klar verneint werden. Zwar ist die Existenz einer bestimmten Kommunikationskultur unbestritten. Fakt ist aber auch: Alle Anwendungen zur Kommunikation lassen sich in wenige kommunikationstechnologische Cluster zusammenfassen – und diese werden wiederum nur in sehr unterschiedlichem Ausmaß von den Studierenden genutzt. Dauervernetzung als Anfang ohne Ende? Wohl eher nicht, denn früher oder später stößt die Nutzung der Kommunikationstechnologien an ihre Grenzen.

Die Studie Schreiben – Sprechen – Selfie. Zum Zusammenhang von neuen Kommunikationstechnologien und kommunikativen Verhaltensmustern wurde im Juni 2016 auf journal.kommunikation-medien.at, dem Onlinejournal des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, veröffentlicht.

30.06.2016: Eine Meldung von Veronika Kolbeck und Katharina Wohlfahrt.

Artikel als PDF

Quellen:

Der Standard (2016): Whatsapp verändert das Kommunikationsverhalten. Online unter: http://derstandard.at/2000039386160/WhatsApp-veraendert-das-Kommunikationsverhalten (26.06.2016).

Kolbeck, Veronika/Wohlfahrt, Katharina (2016): Schreiben – Sprechen – Selfie. Zum Zusammenhang von neuen Kommunikationstechnologien und kommunikativen Verhaltensmustern. Veröffentlichte Studie Universität Salzburg.

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