(Kein) Zurück zur Realität

Bildvorschlag 2Pinterest und die Wiener Digitalagentur Screenagers wollen zeigen, worin die Potenziale der virtuellen Realität für die Medienbranche liegen.

„It’s a real pin that looks like a virtual pin that looks like a real pin”. Pinterest testet in Brasilien zurzeit eine von der Agentur DM9DDB entwickelte Technologie, die es ermöglicht, reale Gegenstände in Geschäften auf den virtuellen Pinnwänden des sozialen Netzwerks abzuspeichern. Für diese Kampagne wurde der typische rote „Pinterest-Button“ real produziert – und dadurch eine Richtung eingeschlagen, die sich klassischen E-Commerce Strategien entgegensetzt. Wurden bislang Bemühungen dahingehend unternommen, dem Kunden virtuell das reale Shoppingerlebnis zu bieten, will Pinterest nun Virtuelles und Reales auf innovative Art miteinander verknüpfen.

Kann virtuelle Realität in den Medien wirken?

Virtuelle Realität ist nicht neu – und trotzdem bietet sie bisher ungenutzte Chancen, auch für die Medienbranche. Im Gaming-Sektor bereits fest verankert, soll dieses Phänomen künftig verstärkt in der Werbe- und Unterhaltungsbranche sowie im Journalismus Einzug halten. Eine im September vergangenen Jahres von der Knight Foundation und dem USA Today Network durchgeführte Studie erklärt das Jahr 2016 in diesem Zusammenhang als entscheidend: Es wird zeigen, ob die als „Immersive Journalism“ benannte neue journalistische Erzählform und andere mediale Bestreben hin zur „Virtual Reality“ langfristig Erfolg haben werden. Bereits 2010 hat eine Studie des SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung bestätigt, dass 3D-Werbung wirksamer ist als ihr Vorgänger in 2D und sogar die Kaufwahrscheinlichkeit erhöht. 360°-Videos sollen diese Wirkung noch verstärken.

360°-Werbung – Innovation oder Irrsinn?

Brauchen wir das wirklich? Eine Frage, die sich mittlerweile bei nahezu allen medientechnologischen Neuheiten stellt. Virtual Reality Apps, Virtual Reality Headsets und Brillen oder 360°-Werbespots sind da keine Ausnahme. Die Wiener Digitalagentur Screenagers ist sich zumindest sicher mit ihrem Tool Stereosense einen potenziellen Zukunftsmarkt der Unterhaltungsbranche eröffnet zu haben. Dieses Programm ermöglicht es, Werbung für den Nutzer unübersehbar im virtuellen Raum einzubetten. Schön für bestimmte Unternehmen und schön für den Nutzer, unter anderem um Reisedestinationen im Rundumblick eindrucksvoll darzustellen und zu erleben. Insgesamt ist diese neue Technologie aber nur für gewisse Branchen und nicht für jedes Unternehmen zu gebrauchen.

Wie virtuell darf die Realität sein?

Es ist unbestritten, dass Virtual Reality in all seinen Facetten zum Beispiel in der Wissenschaft oder Informationstechnik Erfolg hat. Sie funktioniert also, nur eben nicht immer. Die hier beschriebenen 360°-Videos oder „Real World-Pins“ sind nette Spielereien. Nicht mehr und nicht weniger – und das ist auch gut so. Denn bei all den wunderbaren Möglichkeiten, die neue Technologien und die virtuelle Realität uns bietet: Das wahre Leben findet offline statt. Sollte es zumindest. Zeitweise. Der Meinung sind anscheinend auch die Nutzer, wie der gescheiterte Versuch von „Linden Lab“, ein langfristig erfolgreiches „Second Life“ zu entwickeln, zeigt. Die Vorstellung, als Avatar sein virtuelles Leben frei zu gestalten und reale Medien und Werbung virtuell zu konsumieren, ist dann doch zu viel des Guten. Eine Bruchlandung, die darauf hoffen lässt, dass das Zurück zur Realität sehr wohl noch möglich ist.

09.06.2016: Ein Beitrag von Veronika Kolbeck und Katharina Wohlfahrt für die Forschungsgruppe Medienwandel.

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Quellen:

Lichterman, Joseph (2016): Report: 2016 will be critical for growth of VR in journalism. Online unter: http://www.niemanlab.org/2016/03/report-2016-will-be-critical-for-growth-of-vr-in-journalism/ (06.06.2016).

Nudd, Tim (2016): Pinterest’s Real-World Pins Let In-Store Shoppers Save Real Items to Virtual Boards. Online unter: http://www.adweek.com/news/technology/pinterests real-world-pins-let-store-shoppers-save-real-items-virtual-boards-171815 (06.06.2016).

Priesching, Doris (2016): 360-Grad-Videos: Medienbranche wittert Neuland. Online unter:
http://derstandard.at/2000038116002/360-Grad-Videos-Medienbranche-wittert-Neuland
(06.06.2016).

Virtual Reality Magazin (2011): Studie: Werbung wirkt besser in 3D. Online unter: http://www.virtual-reality-magazin.de/studie-werbung-wirkt-besser-3d (06.06.2016).

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