Live-Berichterstattung im Internet: Meinung bilden im Minutentakt

Die vergangeglobe-107394_1280ne Präsidentenwahl in Österreich hat es gezeigt. Das Interesse an Live-Berichterstattungen im Internet nimmt immer mehr zu. Das Duell zwischen Norbert Hofer und Alexander van der Bellen zog generell viel Aufmerksamkeit auf sich, jedoch war das Interesse der Zuschauer bei der Auszählung der Wahlzettel besonders hoch. Die stündliche Berichterstattung im Radio und Fernsehen war den Bürgern Österreichs anscheinend nicht genug, denn viele Wähler riefen im Minutentakt den aktuellen Stand der Wahlergebnisse im Internet ab. Die Website des Standards erreichte am Wahlsonntag dadurch einen neuen Zugriffsrekord. Mit einer Verweildauer von 200.000 Stunden und 52.000 Postings am Sonntag erreichte das Portal einen neuen Höchstwert.

Auch die Daten des Reuters Institute Digital News Report 2015 zeigen, dass sich bereits immer mehr Österreicher ihre Nachrichten aus dem Internet holen. Rund 70 Prozent informieren sich online über das tagesaktuelle Geschehen. Besonders beliebt sind dabei die Onlineableger der traditionellen Tageszeitungen.

Schnelle Nachrichten – (vor)schnelle Meinungen

Nicht nur im Wahlkampf sondern auch in diversen anderen Bereichen, wie dem Sport, werden Live-Ticker häufig und gerne genutzt. Zwar sind das Fernsehen und Radio auch schnelle Informationslieferanten, aber dank der Berichterstattung im Internet können Informationen in jeder Situation mobil und schnell abgerufen werden. Dieser rasche Empfang von Informationen ermöglicht ebenso ein schnelles Reagieren auf die empfangenen Nachrichten. Laut Niklas Luhmann gelten Medien als Fenster zur Welt und stellen aktuelle und relevante Themen für die Öffentlichkeit bereit. Zudem werden von den Medien Argumente für als auch gegen kontroverse Themen geliefert und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Meinungsbildung.

Umso schneller uns Informationen von den Medien geliefert werden, desto schneller bilden wir uns eine Meinung. In null Komma nichts kann jedoch unsere Ansicht auch von schlecht recherchierten oder sogar teilweise falschen Meldungen beeinflusst werden. Diese Schnelligkeit der Nachrichten kann uns dazu verleiten, diese ohne nachzudenken anzunehmen. In der Flut der Informationen, die täglich über uns hereinbricht, haben wir keine Zeit mehr über die Medienaussagen nachzudenken und sie kritisch zu hinterfragen.

01.06.2016: Ein Artikel für die Forschungsgruppe Medienwandel von Andrea Pracht und Sarah Brandstätter.

Artikel als PDF

Quellen:

Heinz Bonfadelli (2014): Medien und Gesellschaft im Wandel. Online unter: http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/medienpolitik/172610/medien-und-gesellschaft-im-wandel?p=all (26.05.2016)

derstandard.at (2016): Präsidentenwahl: Live-Bericht auf derStandard.at sprengt Rekorde – derstandard.at/2000037486517/BP-Wahl-Live-Bericht-auf-derStandardat-sprengt-Rekorde. Online unter: http://derstandard.at/2000037486517/BP-Wahl-Live-Bericht-auf-derStandardat-sprengt-Rekorde (26.05.2016).

Eisenegger, Mark/Schranz, Mario (2013): SQM 2/2012 Die Qualität von Presse- und Onlinetiteln im Direktvergleich. Basel: Schwabe.

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