Panama Papers: Ein Hoch auf die klassischen Qualitätsmedien!

Briefkasten

Internationales Journalistennetzwerk wertet bisher größtes Datenleck der Offshore- Finanzindustrie aus und beweist, von welcher Bedeutung Qualitätsmedien in unserer Medienlandschaft (noch immer) sind.

Briefkastenfirmen, versteckte Gelder, dubiose Geheimgeschäfte, und viele prominente Namen: Ein internationales Journalistennetzwerk hat seine monatelangen Recherchen über geheime Finanzgeschäfte in der Steueroase Panama veröffentlicht. Darüber berichteten Medien am Montag, den 04.04.2016 weltweit. Die sogenannten Panama Papers zeigen, wie rund 140 Politiker und hohe Amtsträger aus aller Welt ihr Vermögen verstecken und verschleiern. Darunter sollen sich auch die Namen zahlreicher Spitzensportler und Prominenter befinden. Besonders in Zeiten des großen Zeitungssterbens, dem „Lügenpresse“-Vorwurf, der Gratis-Onlinekultur und dem Verkleinern von Investigativ-Abteilungen in den USA (und Europa), macht der Fall Panama Papers deutlich, worin die Stärken und die Legitimität der klassischen Qualitätsmedien liegen: in umfassender Rechercheleistung und detaillierter Berichterstattung.

Rund 214.000 Briefkastenfirmen offengelegt

 Der Süddeutschen Zeitung (SZ) und dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) – ein unabhängiges, mit Spenden finanziertes Netzwerk von Enthüllungsjournalisten – wurden unzählige Unterlagen zugespielt, die den Beweis für diese Machenschaften liefern sollen. Bei den Panama Papers handelt es sich um das größte Datenleck, das jemals von Journalisten ausgewertet wurde. Insgesamt gehe es um ein Volumen von 2,6 Terabyte bzw. um mehr als 11,5 Millionen Dokumente. Diese umfassen E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und Rechnungen aus den Jahren 1977 bis 2015. Für die Auswertung eines  Datenvolumens sind enorme finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen nötig. Dies war durch die internationale Zusammenarbeit mehrerer Medienhäuser möglich.

370 Journalisten, 76 Länder, 1 Jahr

An der Auswertung des Datensatzes waren mehr als 370 Journalisten aus Medienhäusern in 76 Ländern beteiligt. Darunter finden sich NDR, WDR, BBC, Guardian, Le Monde und ORF. Die Recherche dauerte insgesamt zwölf Monate. Zum Vergleich: Der Umfang der Panama Papers übertrifft die Größe von Offshore-Leaks 2013 um das Zehnfache, das von LuxLeaks aus dem Jahr 2014 um das 600-fache. Dieses Ausmaß an Aufdeckung wäre für Bürgerjournalisten bzw. Online-Blogs unmöglich, da qualitativer und investigativer Journalismus aufwendig, teuer und durch die bisherigen Online-Erlösmodelle nicht refinanzierbar ist. Wenn wir wollen, dass Missstände in unserer Gesellschaft auch in Zukunft aufgedeckt werden, wie im Falle der Panama Papers, wird es höchste Zeit, nachhaltige Lösungen für die Finanzierung von Qualitätsmedien zu finden.

06.04.2016. Ein Beitrag von Nina Jaxy und Nora Zacharias für die Forschungsgruppe Medienwandel.

Artikel als PDF

 

Quellen:

Die Süddeutsche (2016): Geheimgeschäfte von Hunderten Politikern und Prominenten in Steueroasen enthüllt. Online unter: http://www.sueddeutsche.de/politik/panama-papers-geheimgeschaefte-von-hunderten-politikern-und-prominenten-in-steueroasen-enthuellt-1.2932232  (04.04.2016).

ORF (2016): Datensatz mit elf Mio. Dokumenten.Online unter: http://orf.at/stories/2331705/2331704/ (04.04.2016)

Renger, Rudi/ Rettenegger, Gerhard (2015): Journalismus im Nachrichtenprozess. Online unter: http://journal.kommunikation-medien.at/wp-content/uploads/2015/02/Ausg5_Vorwort_Renger_Rettenegger1.pdf (06.04.2016).

 

 

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