Weniger Nacherzählen, mehr Enthüllen!

NILDJournalisten wehren sich mit einem neuem Investigativ-Netzwerk gegen sinkende Leserzahlen im Print und Laienkonkurrenz im Web.

Als „Denkmal für den Investigativ-Journalismus“ schreibt der Film „Spotlight“ Geschichte. Der mit zwei Oscars ausgezeichnete Blockbuster handelt von der Redaktion des „Boston Globe“, die den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche aufgedeckt hat. Der Streifen zeigt, wie wichtig investigativer Journalismus ist – in einer Zeit, in der viel zu viele Journalisten Meldungen und Pressemitteilungen nicht mehr hinterfragen.

Investigativ arbeiten: Wieso? Weshalb? Warum?

Aus dem Angelsächsischen stammend bedeutet das Wort „investigation“ Untersuchung, Aufklärung oder Ermittlung. Investigativ-Journalismus versucht, durch gründliche und tiefgreifende Recherche Sachverhalte aufzuklären. Solch ein umfassender Prozess ist sehr aufwändig und seitens der Rechercheobjekte selten erwünscht. Trotzdem ist diese Tätigkeit wichtig, um bisher verborgene oder absichtlich vertuschte Fakten zu enthüllen und eine bisher nicht wahrgenommene Realität ans Tageslicht zu bringen.

Challenge Power! – Internationale Konferenz zum Investigativ-Journalismus

Zu diesem Schluss kommen auch die Teilnehmenden des Logan-Symposiums „Challenge Power! Building Alliances against Secrecy, Surveillance and Censorship“ in Berlin. Dort wurde kürzlich die weltweite Lage des Investigativ-Journalismus debattiert. Mit ernüchterndem Ergebnis. Investigativ-Journalisten und Aktivisten wie WikiLeaks-Herausgeber Julian Assange sind sich einig, dass die wichtigsten Enthüllungen außerhalb konventioneller Medien stattfinden und von diesen lediglich aufgegriffen werden. Zudem müssen Journalisten, die investigativ arbeiten, sich selbst besser vor Überwachung seitens des Staates und Unternehmen, allen voran Google, schützen.

Mutige Einzelkämpfer bekommen Unterstützung

„In den USA gibt es keine Nachrichten mehr, die diesen Namen noch verdienen.“ Mit diesem Zitat macht der US-Enthüllungsjournalist Seymour Hersh das bereits angesprochene Dilemma ganz deutlich. Mit seinen Enthüllungen zu Syrien steuert er bewusst dag

egen. Dass er sich damit nicht nur Freunde, sondern auch einflussreiche Feinde macht, ist sein Berufsrisiko. Leider sind Journalisten wie er Einzelkämpfer, doch das soll sich ändern, denn am 18. März 2016 wurde die Gründung eines neuen Investigativ-Netzwerkes verkündet. Als European Investigative Collaboration (EIC) werden künftig acht europäische Medien investigativ zusammenarbeiten. Das nun gebündelte Know-How von „Spiegel“, „Der Falter“, „El Mundo“, „L’Espresso“, „Le Soir“, „Mediapart“, „Newsweek Serbia“, „Politiken“ und „RCIJ/The Black Sea“ gibt Anlass zur Hoffnung.

21.03.2016. Ein Beitrag von Katharina Wohlfahrt und Veronika Kolbeck für die Forschungsgruppe Medienwandel.

Artikel als PDF

Quellen:
– Ludwig, Johannes (2011): Investigativer Journalismus. Veröffentlichtes Dokument Deutsches Journalisten Kolleg. Online unter: http://www.journalistenkolleg.de/c/document_library/get_file?uuid=152af19e-6f21-469a-b177-080a0ddbe95f&groupId=10157 (20.03.2016).

– Mantel, Uwe (2016): „Spiegel“ ist Teil eines neuen Investigativ-Netzwerks. Online unter: http://www.dwdl.de/nachrichten/5512/spiegel_ist_teil_eines_neuen_investigativnetzwerks/ (20.03.2016).

– Sontheimer, Michael (2016): Logan-Symposium in Berlin: Schwere Zeiten für Whistleblower. Online unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/logan-symposium-in-berlin-zur-lage-der-whistleblower-a-1081988.html (20.03.2016).

– Wellinski, Patrick (2016): Denkmal für den Investigativ-Journalismus. Online unter: http://www.deutschlandradiokultur.de/neu-im-kino-spotlight-denkmal-fuer-den-investigativ.2150.de.html?dram:article_id=346640 (20.03.2016).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s