Erlösmix statt einfältigen Paywalls: Neues Konzept bei Zeit Online

PaywallBilds schrecken User ab. Und doch können sie zur Erlösgenerierung beitragen. Jetzt wechselt auch Zeit Online die Strategie und kündigt an, im Herbst 2016 eine Paywall einzurichten.

Letztes Jahr sprach Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser noch davon, man wolle keine Bezahlschranke einführen um das bisherige Erfolgsmodell nicht zu gefährden. Jetzt ist alles anders: Im Herbst 2016 zieht Zeit Online nun doch eine Mauer für Online-Leser hoch. Bis dato sind alle Online-Beiträge kostenlos zu lesen und jede zweite Woche stehen Zeitungsinhalte auf der Website kostenlos zur Verfügung. Dieses Modell finanzierte sich durch Werbeerlöse und war nach Unternehmensangaben 2014 zum ersten Mal profitabel. Welche Beweggründe nun zu dem Kurswechsel geführt haben, hat die Zeit nicht bekannt gegeben.

Verwunderliche Erlösstrategien

„Bitte zahlen“ heißt es ab Herbst 2016, zumindest für ausgewählte Artikel. Dies soll ein Signal an die Leserschaft sein, dass Journalismus auch online stattfindet und ebenfalls mit einem monetären Wert verbunden ist. Zeitgleich soll es auf dem sozialen Netzwerk Facebook kostenlose Instant Articles der Zeit geben, die über Smartphones und Tablets abgerufen werden können. Derzeit sei man bei Zeit Online noch in der Testphase der Instant Articles, man werde jedoch nach eingehender Prüfung über die nächsten Schritte einleiten, sagt Chefredakteur Jochen Wegner. Die Zeit erhofft sich davon neue Leser und eine bessere Vermarktung. Dieser Modell-Mix von kostenlosen und kostenpflichtigen Inhalten verwundert, ist in der Praxis jedoch nicht unüblich. Ein Beispiel für den Mix an Erlösquellen liefert der Guardian in Großbritannien. Der ehemalige Digitalchef des Guardian, Wolfgang Blau, beschreibt den erfolgversprechenden Einnahmemix: „Werbung, Nebengeschäfte, Paid Content, Kooperationen mit Stiftungen und Membership-Modelle“. Neu kommen nun Instant Articles hinzu, welche der Guardian von Beginn an in sein Repertoire aufnahm

Paywalls als Teil des Medienwandels

Immer mehr Zeitungsverlage mit Online-Auftritt stehen vor der Frage „Paywall – JA oder NEIN?“. Denn auch online abrufbare Inhalte kosten Geld. Letztendlich wird eine harte Online-Bezahlschranke nicht die Lösung sein. Denn beobachtet man Mitbewerber wie Guardian, kristallisiert sich heraus, dass ein überlegter und an die jeweilige Zielgruppe (Leserschaft) angepasster Mix an Einnahmequellen erforderlich sein wird. Einerseits um die Anforderungen der Leser zu erfüllen und andererseits um online Geld zu verdienen.

22.02.2016. Ein Beitrag von Richard Hofmann für die Forschungsgruppe Medienwandel.

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Quellen:

Horizont (2015): New York Times hat mehr als 1 Million Digitalabonnenten. Online unter: http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Paid-Content-New-York-Times hat-mehr-als-1-Million-Digitalabonnenten-135753 (20.02.2016)

Horizont (2016): Zeit Online will Paid Content einführen. Online unter:http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Signal-an-die-Leser-Zeit-Online-will-Paid-Content-einfuehren-138885 (20.02.2016)

Furtune (2016): The Guardian, Paywalls, and the Death of Print Newspaper. Online unter
http://fortune.com/2016/02/17/guardian-paywall/ (20.02.2016)

Der Standard (2015): „Guardian“-Digitalchef: „Können ohne Paywall höhere Erlöse erzielen“. Online unter: http://derstandard.at/2000010998073/Wolfgang-Blau-Modernerer-Journalismus-ohne-Paywall (20.02.2016)

Der Standard (2016): „Zeit online“ will im Herbst mit Paid Content starten. Online unter: http://derstandard.at/2000031325076/Zeit-will-im-Herbst-mit-Paid-Content-starten (20.02.2016)

Zeit Online (2015): Medien starten Kooperation mit Facebook. Online unter: http://www.zeit.de/digital/internet/2015-05/instant-articles-medien-facebook (20.02.2016)

Zeit Online (2016): Journalismus auf Facebook: Wird 2016 das Jahr der „Instant Articles“?
Online unter: http://www.zeit.de/news/2016-02/18/medien-journalismus-auf-facebook-wird-2016-das-jahr-der-instant-articles-18135802 (20.02.2016)

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