The same procedure as every day

Same procedureWas haben Talkshows mit Serien wie „Der Bergdoktor“ oder „Die Rosenheim-Cops“ gemeinsam? Für Thomas Gottschalk sind das Beispiele für „die öffentlich-rechtliche Ideenlosigkeit.“ Ein Adressat der Kritik: das ZDF.

In einem Interview mit der HÖRZU vom 05. Februar 2016 bezieht der einstige „Wetten, dass…?“-Moderator Stellung. Der Ideenreichtum des Fernsehprogramms lässt zu wünschen übrig; eintönige und austauschbare Sendungen dominieren.

Fernsehkultur als Massenware

Was Gottschalk ausspricht, wussten die Sozialphilosophen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bereits im Jahr 1944. Kultur wird zur Ware und diese Kulturwaren folgen Profitinteressen und nicht den Bedürfnissen des Publikums. Durch Standardisierung wird Massentauglichkeit sichergestellt. Für Phantasie und ein selbstdenkendes Publikum ist da kein Platz Was die Vertreter der Kritischen Theorie mit dem Wort „Kulturindustrie“ beschreiben, hat an Aktualität nichts verloren – ganz im Gegenteil. Fernsehsender liefern „Massenware“ in Form von immer gleichen Formaten und Filmen. Die Zuseher müssen  – und sollen – nicht mehr nachdenken, sondern konsumieren. Wirklich neue, überraschende oder kreative Eigenproduktionen sind daher rar.

Angebot und Nachfrage 

Gezeigt wird, was sich verkauft. Warum das gerade seichte Unterhaltung wie „Der Bergdoktor“ ist – für Gottschalk ein Rätsel, aber aus Sicht der Kritischen Theorie nachvollziehbar. Alles wird in ein und dasselbe Schema gepresst, denn Kunst wird über ihren ökonomischen Wert definiert. Billig in der Herstellung und trotzdem gut zu verkaufen – das ist der kommerzielle Idealfall. Nicht die Nachfrage bestimmt das Angebot, vielmehr wird die Nachfrage künstlich und planvoll erzeugt. Es werden falsche Bedürfnisse geschaffen, die die Rezipienten von ihren eigentlichen Wünschen und Präferenzen ablenken. So lässt sich der „Erfolg“ von Telenovelas wie „Rote Rosen“ oder „Sturm der Liebe“ erklären, die es auf über 2.000 Folgen gebracht haben. Von Formaten wie dem „Dschungelcamp“, „Der Bachelor“ oder „Germany’s next Topmodel“ ganz zu schweigen, mit denen alle Jahre wieder Millionen von Zuschauern Zerstreuung suchen.

Neue Konkurrenten und neue Chancen

Genug des Kulturpessimismus, es geht auch anders. Der Fernsehsender VOX landete gegen Ende des vergangenen Jahres mit der eigenproduzierten Serie „Der Club der roten Bänder“ einen Hit. Netflix gelang es mit „House of Cards“ und „Orange Is the New Black“ bereits zwei Erfolgsserien zu produzieren. Für die Öffentlich-Rechtlichen wäre es nun höchste Zeit, mit eigenen kreativen Produktionen nachzuziehen.

08. Februar 2016. Ein Beitrag von Veronika Kolbeck und Katharina Wohlfahrt für die Forschungsgruppe Medienwandel.

 

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Quellen:
Jacobson, Nils (2014): Kevin Spacey: Netflix hat gut an „House of Cards“ verdient. Online unter: http://meedia.de/2014/10/30/kevin-spacey-netflix-hat-gut-an-house-of-cards-verdient/ (10.02.2016).
Kleiner, Marcus (2007): Wer küsst den Froschkönig heute? Die Medienkulturindustriekritik von Theodor W. Adorno. In: Winter, Rainer/Zima, Peter (Hg.): Kritische Theorie Heute. Transcript Verlag: Bielefeld, S. 129-158.
Mantel, Uwe (2016): Gottschalk wirft ARD/ZDF „Ideenlosigkeit“ vor. Online unter: http://www.dwdl.de/nachrichten/54527/gottschalk_wirft_ardzdf_ideenlosigkeit_ or/ (07.02.2016).
Meedia (2016): „Öffentlich-rechtliche Ideenlosigkeit“ – Thomas Gottschalks TV-Bashing vor seinem Goldene-Kamera-Einsatz. Online unter: http://meedia.de/2016/02/03/oeffentlichrechtliche- ideenlosigkeit-thomas-gottschalks tv-bashing-vor-seinem-goldene-kamera-einsatz/ (07.02.2016).
Pfaff, Regina (2014): Orange is the New Black: Hinter Gittern bei Netflix. Online unter: http://www.dwdl.de/emmys2014/46730/orange_is_the_new_black_hinter_gittern_bei_netflix/ (10.02.2016).

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