Irre: Maschine besser als Journalist.

robot-507811_1920Die neue industrielle Revolution im Journalismus heißt Blossom

Facebook bringt Reichweite. Daher wählt die Online-Redaktion der New York Times (NYT) täglich 50 von 300 Print-Artikeln für das beliebte soziale Netzwerk aus. Bisher oft nach dem Prinzip „Sex and Crime“, aber auch nach der Trial-and-Error-Methode. Manche Beiträge „funktionierten“ auf Facebook, manche nicht. Jetzt zeigt eine Maschine den Menschen, was im Online-Journalismus zieht.

Die neue Währung heißt Aufmerksamkeit

Die automatische Software Blossom schlägt den Online-Redakteuren der NYT auf Anfrage Artikel vor – egal ob aktuell oder aus dem Archiv –, die viele Klicks erreichen werden. Das Ergebnis: Von Blossom empfohlene Beiträge erreichen auf Facebook 120 Prozent mehr Klicks als die von Menschen ausgewählten. Über alle sozialen Netzwerke hinweg sind es sogar 380 Prozent mehr, berichtete die Journalismus-Plattform Nieman Lab.

Reichweite war für Medien immer eine zentrale Größe. Diese Logik gilt auch für die Internet- und Online-Kommunikation. Die Menschen können aus einem ständig wachsenden und schier unüberschaubaren Angebot an Nachrichten, Sport, Unterhaltung, etc. wählen. Aufmerksamkeit zu gewinnen gilt den Medien als oberstes Ziel. Aufmerksamkeit ist die Währung der Mediengesellschaft, denn sie lässt sich in Kaufimpulse, Wahlentscheidungen oder Werbeerlöse umrechnen.

Beginn einer Ära – Journalismus der Maschinen

Um Aufmerksamkeit zu generieren, muss ein Ereignis Nachrichtenwert aufweisen. Den haben Journalisten bisher aufgrund von Nachrichtenfaktoren wie Aktualität oder Prominenz eingeschätzt. Nun könnten Maschinen diese Funktion übernehmen. Der Trend im Journalismus geht hin zu Datenwissenschaft und Technik. Die NYT hat in diesem Bereich ebenso aufgerüstet wie die Washington Post unter Amazon-Chef Bezos. Blossom ist der Beginn einer neuen Ära: Roboter, die dank komplexer Algorithmen „sichere“ Entscheidungen über reichweitenstarke Themen treffen, werden im Journalismus eine immer wichtigere Rolle spielen.

Es birgt eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet journalistische Flaggschiffe eine Entwicklung vorantreiben, die tief greifende Auswirkungen auf den Journalismus-Beruf und die gesamte Branche haben wird. Wenn selbst für Qualitätsmedien die Maximierung von Reichweite oberstes Gebot ist, werden gesellschaftlich wichtige, aber unpopuläre Themen noch weiter in den Hintergrund gedrängt. Und die Krise der Medien wird sich weiter verschärfen.

23.01.2016. Ein Beitrag von Wolfgang Schmidbauer und Thomas Surrer für die Forschunsgruppe Medienwandel.

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