It’s Alive! – Print lebt durch Qualität

20.4.2015. Ein Beitrag von Theresa Fleißner für die Forschungsgruppe Medienwandel.

11188027_947020685322410_336429544_o„Mit der Transformation im Medienbereich, über die man lange geredet hat, wird es jetzt ernst“, sagte Guardian-Digitalchef Aron Pilhofer beim 9. Journalismus Festival in Perugia (vgl. derstandard.at). Diskutiert wurden Themen rund um den Medienwandel während des fünftägigen Events von Größen im Mediensektor, wie Jeff Jarvis, Aron Pilhofer oder George Brock. Fazit: Online ist auf dem Vormarsch, bei Qualität wird immer noch auf Print gesetzt und die Zukunft sind personalisierte News.

Beim 9. Journalismus Festival in Perugia von 15. bis 19. April 2015 wurde einmal mehr über den Medienwandel diskutiert. Diskussionsthemen waren nicht mehr integrierte Print- und Online-Redaktionen, sondern die neuen Nutzungsweisen der User, sowie innovative Neuerscheinungen im Printsektor. Mit langen Fotostrecken, detaillierten Reportagen und kritischen Beiträgen von hoher Qualität wollen die Newcomer ihre Magazine verkaufen.

Gedrucktes steht für hohe Qualität

Warum das Medium Print von den Newcomern gewählt wurde, bringt Ibrahim Nehme, Gründer des Magazins Outpost während des Arabischen Frühlings, auf den Punkt: „Wir haben es als Printprodukt gestartet, weil damit ein Qualitätsanspruch verbunden ist. Wir wollen ein Sprachrohr für die Jungen sein“ (vgl. 19.04.2015: derstandard.at). Nach wie vor ist das Medium ‚Print‘stark mit dem Qualitätsanspruch verpflichtet – auch wenn es Beispiele aus der Boulevardpresse gibt, die dieses Argument untergraben. Während das Medium ‚Online‘ hart dafür kämpft das Stigma schlechter Qualität abzulegen, bleiben die Erwartungen höherer Qualitätsstandards an das Printmedium nach wie vor konstant.

In online Nachrichtenportalen ist es schwierig, die Aufmerksamkeit der User auf qualitativ hochwertige Inhalte zu lenken. In gedruckten Zeitungen können Leser schmökern und auf qualitativ anspruchsvollere Inhalte stoßen, während sie in online Portalen oft nur einen einzigen Beitrag aufrufen oder sich in einem einzigen Ressort bewegen. Daher müssen sie stärker zum Weiterlesen animiert werden. Ist dies nicht erfolgreich, verlassen User die Seiten nach dem Lesen eines einzigen Beitrages. Viele qualitätsvolle Beiträge gehen daher mangels Aufmerksamkeit in der Masse unter.

Ein Indikator für Qualität in Print-Nachrichten ist Vielfalt. „Kein Thema, keine Meinung oder kein Akteur soll prinzipiell von der öffentlichen Kommunikation ausgeschlossen sein“ (Kamber/Imhof/Eisenegger 2010: 85). Es ist also genau dieser Anspruch auf Vielfalt zwar die Qualität eines Printmediums steigert, sich aber negativ auf die Qualität eines Online-Mediums auswirkt. Diese Wirkung resultiert aus den veränderten Nutzungsbedingungen, die sich für die User beim Konsumieren von Online-Nachrichten ergeben. Daher braucht es für Qualitätsprodukte online neue Strategien.

Weg mit den Massen

Eine Variante, mehr Aufmerksamkeit auf Qualitätsbeiträge zu lenken, ist das Plädoyer von New Yorker Journalismus-Professor Jeff Jarvis: „Man kann nicht alles für alle machen“ (18.04.2015: derstandard.at). Er plädiert auf Spezialisierung, um nicht die Massen, sondern bestimmte Zielgruppen anzusprechen. .. Jarvis vertritt die Ansicht, dass Medien besonders online nicht mehr als Massenmedien funktionieren können. Die Interessensgruppen, die sich durch soziale Netzwerke in Online Communities bilden, müssen von den Nachrichtenmachern stärker einbezogen werden und gezielt mit Informationen versorgt werden. Dies ist eine Möglichkeit auch online einen Qualitätsanspruch zu erfüllen und so das Risiko einer oberflächlichen Berichterstattung gering zu halten.

Letzten Endes scheint jedoch immer entscheidend, ob und wie die Einnahmen der ehemaligen Print-Verkäufe ausgeglichen werden können. In der Realität wird dies durch Werbung und beliebte, massentaugliche Artikel mit hohen Clickraten geschehen, weniger durch qualitativ aufwändige Beiträge. Das Potential von Online Qualitätsportalen ist dennoch hoch: mit einer angepassten Strategie kann auch ein online Nachrichtenportal die Qualitätsansprüche seiner Interessensgruppe erfüllen. Das Grundelement ist sowohl bei Print- als auch bei Online-Medien gleich – ein qualitativ hochwertiger Beitrag.

 Artikel als PDF

Quellen:

„Crowdfunding boomt, Print lebt“, derstandard.at [http://derstandard.at/2000014513356/Crowdfunding-boomt-Print-lebt]

„SZ-Digitalchef: Leser sehen Bezahlen entspannter als Journalisten denken“, derstandard.at [http://derstandard.at/2000013458607/SZ-Digitalchef-Leser-sehen-Bezahlen-entspannter-als-Journalisten-denken]

„Jeff Jarvis wünscht Massenmedien zur Hölle“, derstandard.at [http://derstandard.at/2000014497855/Jeff-Jarvis-wuenscht-Massenmedien-zur-Hoelle]

Kamber, Esther/Imhof, Kurt/Eisenegger, Mark (2010): Presse. In: fög – Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft/Universität Zürich (Hg.): Qualität der Medien. Jahrbuch 2010. Basel: Schwabe Verlag, S. 75-122.

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