Google News setzt Werbung mit Journalismus gleich

24.03.2015. Ein Beitrag von Patrick Freitag und Kay Müller für die Forschungsgruppe Medienwandel.

search-engine-76519_1280Der Nachrichtendienst Google News ergänzt journalistische Beiträge zukünftig durch PR- und Werbeinhalte. So erhalten Nutzer parallel zu wichtigen Nachrichtenthemen auch unternehmensinterne Pressemitteilungen oder sogar eindeutige Werbeschaltungen. Diese Tatsache dürfte bei vielen Nutzern Bedenken auslösen. Denn diese nutzen den Online-Dienst aufgrund der umfangreichen Meldungen zu aktuellen Ereignissen, die journalistische Qualität gewährleisten sollten.

Google News als kritisierter Online-Dienst

Google News ist seit 2002 als Online-Dienst verfügbar und gleicht einem Sammelband an Nachrichtenquellen. Nutzer bekommen über so genannte Nachrichten-Aggregatoren, wie Google News, hunderte Nachrichtenartikel angezeigt, die gleich einer Websuche automatisch aufgelistet und mit einem entsprechenden Link versehen werden. Dabei sind journalistische Artikel von großen Medienhäusern weltweit mit einbegriffen. Relevanz und Themenschwerpunkt werden durch Google News mit den generellen individuellen Suchanfragen abgeglichen. Nutzer sehen somit Artikel die ihren Interessen entsprechen, also eine verzerrte Abbildung der Realität. Auch die Inhalte selbst werden einfach so von dem Konzern verwendet ohne dass Verlage dementsprechend entlohnt werden, wie etwa für Bilder. Google erntet mit seinem Vorgehen dadurch von mehreren Seiten Kritik: So verklagte die französische Nachrichtenagentur AFP (Agence France-Presse) Google im Jahr 2005 auf 17,5 Millionen US Dollar Schadenersatz, weil der Suchmaschinenbetreiber Inhalte der Agentur unerlaubt und gratis an Benutzer weitergab. In Deutschland führte die Diskussion um den Schutz journalistischer Inhalte vor der kostenlosen Veröffentlichung durch Google zur Einführung des Leistungsschutzrechts. Unter anderen verklagte deshalb auch der Verlag Axel Springer den Suchmaschinenbetreiber und knickte vor der Verhandlung ein – aus Angst Nutzer zu verlieren. Der Verlag wirft Google jedoch einen Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung vor (vgl. der Spiegel 2014: o.S.).

Die nächste Empörung über Google News kam vor wenigen Tagen, als bekannt wurde, dass der Konzern Werbeschaltungen in die Suchergebnisse zu journalistischen Artikeln einbindet. Medienjournalist Christian Lüscher vom Tagesanzeiger erklärt es so: “Sucht ein Nutzer nach bestimmten Themen, werden ihm journalistische Artikel und Presseerklärungen gleich gewichtet angezeigt.” Sorgfältig platzierte Werbung auf Google News könnte vielleicht Aufmerksamkeit für bestimmte Nischenthemen oder Unternehmen generieren, die den Interessen der Nutzer gleichkommen, so die Argumentation. Ob und wie genau die Werbung dabei gekennzeichnet wird ist noch nicht klar.

Google bestreitet, Geld von den jeweiligen Unternehmen zu erhalten, deren PR-Inhalte sie veröffentlichen. Auch wenn seitens des Konzerns keine Rechtfertigung notwendig ist entsteht der Eindruck, die werbetreibenden Unternehmen haben einen Einfluss auf die redaktionellen Inhalte bei Google News. Die Wirtschafszeitung medianet schreibt dazu: “Bei Nutzern von Google News könne der Eindruck entstehen, es handle sich um unabhängig recherchierte Nachrichten, statt einseitiger, im Firmensinne formulierter Information.” Somit werden die Nutzer von Google News mit Werbung getäuscht.

Das Problem von Journalismus und Werbung

Die Regeländerung durch Google News erfolgte bereits im September 2014 doch erst jetzt wird diese von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Spiegel Online nannte als Beispiel für die Verzerrung des journalistischen Angebots die Vorstellung der Apple-Watch. Sucht man nach News über das Produkt wird ganz oben Werbung angezeigt.

Google sieht die Vermischung von journalistischen Artikeln und Werbung nicht als Problem – im Gegenteil: Durch die Veröffentlichung von Presse- und PR-Texten auf der gleichen Seite können Nutzer diese mit den journalistischen Artikeln vergleichen und beurteilen, ob die Redakteure selbst recherchiert haben oder nur die zugelieferten Texte veröffentlichen.

Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive ist die Nähe von Journalismus und PR schon lange ein Problem. Medien sind aufgrund ökonomischer Zwänge auf Geschäftskunden und deren Werbeschaltungen angewiesen (vgl. Plank/Schopf 2012: 18). Dadurch ergeben sich Abhängigkeiten, die auch Einfluss auf die redaktionelle Arbeit der Journalisten haben können. Im Internet stellen die meisten Anbieter Inhalte gratis zur Verfügung und finanzieren diese dann durch Werbung (vgl. ebd. 2012: 22). Die Trennung von Werbung und journalistischen Inhalten ist dabei ein zentrales Thema, denn Nutzer können Werbung manchmal nur schwer als solche erkennen. Google News befeuert dies durch die gezielte Vermischung der Inhalte.

Nutzer dieses Dienstes benötigen somit ein hohes Maß an Medienkompetenz um redaktionelle Inhalte von schlecht gekennzeichneten Werbeinhalten trennen zu können. Google versteht seine Maßnahme als Vorteil, da Nutzer die journalistische Qualität der Artikel besser überprüfen könnten. Dies verlangt aber von den Nutzern mitunter mehr Zeit auf der Plattform zu verbringen und die Inhalte zu vergleichen. Darüber hinaus müssen Nutzer ein dement-sprechendes Verständnis über die Vorgehensweise von Medien und werbetreibenden Unternehmen mitbringen. Man darf davon ausgehen, dass dieses Verständnis bei durchschnittlichen Nutzern fehlt, wodurch kommerzielle Inhalte leicht als redaktionelle Inhalte verstanden werden können. Falk Lüke (2007) von Zeit Online bringt es auf den Punkt: “Eine Aufhebung dieses Prinzips macht aus jeder Publikation schlicht das, was die meisten nicht sein mögen: Werbung.”

Artikel als PDF

Quellen:

Plank, Jürgen/ Schopf, Stefan (2012): Theorien von Redaktion und Werbung. In: Gadringer, Stefan/ Kweton, Sabrina/ Trappel, Josef/ Weit, Teresa [Hrsg.]: Journalismus und Werbung: kommerzielle Grenzen der redaktionellen Autonomie. Wiesbaden: Springer VS.

Google News (2011): Alles über Google News. Online unter http://news.google.com/intl/de/about_google_news.html (21.03.2015).

J., A. (2005): Nachrichtenagentur verklagt Google.  Online unter http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/internet-nachrichtenagentur-verklagt-google-1213132.html (21.03.2015).

Lücke, Falk (2007): Billige Presse. Ist das noch Reklame? Oder doch schon Journalismus? Werbefachleute versuchen, die Trennlinien gezielt aufzuweichen – und Verlage und Redaktionen spielen allzu häufig mit. Online unter: http://www.zeit.de/online/2007/33/ flaskamp-bmwi-pr-journalismus (21.03.15)

Lüscher, Christian (2015): Pure Werbung für den Journalismus. Online unter: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Pure-Werbung-fuer-den-Journalismus/story/20599387 (20.03.2015).

medianet (2015): Kritik an Google, wegen PR in Google News. Online unter http://medianet.at/article/kritik-an-google-wegen-pr-in-google-news-2413.html (21.03.2015).

Spiegel Online (2011): Verlegerstreit: Google wirft belgische Zeitungen aus dem Suchindex. Online unter http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/verlegerstreit-google-wirft-belgische-zeitungen-aus-dem-suchindex-a-774970.html (21.03.2015).

Spiegel Online (2014): Leistungsschutzrecht: Springer gibt Google kostenlose Lizenz. Online unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/leistungsschutzrecht-springer-gibt-google-kostenlose -lizenz-a-1001242.html

Spiegel Online (2015): Web-Suche: Google macht Werbung zu News. Online unter http://www.spiegel.de/netzwelt/web/web-suche-google-macht-werbung-zu-news-a-1023570.html#ref=plista (21.03.2015).

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