Kritik an den neuen Facebook Nutzungsbedingungen

Ein Beitrag von Ksenia Churkina für die Forschungsgruppe Medienwandel unter der Leitung von Prof. Josef Trappel.

Der deutsche Bundesverband der Verbraucherzentrale (VZBV) mahnt Facebook wegen neuer Nutzungsbedingungen (Allgemeine Geschäftsbedingungen) und Datenrichtlinien ab, die gegen das geltende deutsche Recht verstoßen. Das soziale Netzwerk ist bis zum 16. März verpflichtet, eine Unterlassungserklärung abzugeben und seine Nutzungsbedingungen anzupassen.

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Datenschutz und Privatsphäre

Die sozialen Plattformen treten immer wieder in den Fokus der medialen Berichterstattung. Vor allem das Unternehmen Facebook, als bekanntestes soziales Netzwerk, steht immer öfter im Mittelpunkt des medialen Interesses. Facebook bietet den NutzerInnen detaillierte Einstellmöglichkeiten an, um den Zugang zu allen persönlichen Daten begrenzen zu können. Die neuen Nutzungsbedingungen von Facebook sind am 30. Januar 2015 in Kraft getreten. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale verstoßen 19 Klauseln aus den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie von Facebook gegen deutsches Recht.

Rechtswidrige Voreinstellungen der Privatsphäre

Wenn man davon ausgeht, dass nur wenige NutzerInnen ihre Privatsphären-Einstellungen ändern (Gross/Acquisti 2005:71-80) kommt den auf der Plattform verwendeten Voreinstellungen eine besondere Bedeutung zu. Diese Voreinstellungen änderten sich im Laufe der letzten Jahre mit jeder Weiterentwicklung von Facebook. Der Bundesverband der Verbrauchzentrale (VZBV) kritisierte die Voreinstellungen der Privatsphäre, Markierungen sowie Werbeanzeigen, die nicht datenschutzfreundlich sind. Mit den Änderungen im November 2009 öffnete sich die Plattform erstmals nach außen: es wurden bei unveränderten Privatsphären-Einstellungen schlagartig Daten wie Name, Geschlecht und Profilfoto außerhalb von Facebook über Suchmaschinen zugänglich. VZBV-Sprecherin Carola Elbrecht kommentiert hierzu: „Dass ein Facebook-Profil per Suchmaschine gefunden werden kann, bedarf der Zustimmung des Nutzers – und darf nicht einfach automatisch ausgewählt sein.“

Datenverwendung für NutzerInnen undurchsichtig

Der deutsche Bundesverband der Verbraucherzentrale (VZBV) kritisierte die Auswertung von Benutzerdaten für eigene Werbezwecke. In einer Presseerklärung erläutert VZBV -Vorstand Klaus Müller: „Nutzerinnen und Nutzer zahlen zwar kein Geld für die Benutzung von Facebook. Dafür nutzt Facebook sämtliche Daten der Nutzer und verkauft diese in Form von personalisierten Werbeplätzen an Unternehmen. Persönliche Daten werden damit zur Facebook-Währung, auf der das Geschäftsmodell basiert“. Die fehlenden Einwilligungen zur Datenverwendung personenbezogener Daten in Verbindung mit Werbung sind rechtswidrig.

Facebook betonte stets, die neuen Nutzungsbedingungen entsprächen europäischen Datenschutzbestimmungen. Das soziale Netzwerk ist bis zum 16. März verpflichtet, auf die Abmahnung des VZBV zu reagieren und auf die abgemahnten Klauseln in Zukunft zu verzichten. Wenn das Netzwerk sich weigert, die von dem deutschen Bundesverband eingeforderte Unterlassungserklärung zu unterschreiben, müssten die Verbraucherschützer den Rechtsweg beschreiten und Klage einreichen.

 

Datenschutzkompetenz in sozialen Netzwerken

Die Privatsphäre der NutzerInnen scheint bedroht zu sein. Mit dem Aufkommen der Computertechnologie wurde es in den letzten Jahrzenten immer schwieriger, die eigene Privatsphäre zu wahren. Wie in der Studie der Uni Hohenheim bestätigt wurde, legen die meisten Menschen Wert darauf, dass ihre persönlichen Daten nicht zugänglich sind. Das zeigte die Studie der Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim Stuttgart. Im Projekt „Privatheit im Wandel“ befasste sie sich mit der Untersuchung des Wandels in der Wahrnehmung und Bewertung von Privatheit, sowie Veränderungen im Privatheitsverhalten. Die aktuellen Daten aus dieser Längsschnittstudie im Jahr 2014 zeigten, dass 82% aller Deutschen es nicht tolerieren, dass ihre persönlichen Daten öffentlich zugänglich sind (vgl. Trepte/Masur/Thilo von Pape 2014: 12). Die NutzerInnen wollen ihre Privatsphäre schützen, aber es fehlt ihnen an Datenschutzkompetenz. Alessandro Acquisti und Ralph Gross konnten in einer Untersuchung mit 294 Teilnehmern nachweisen, dass 77% der Teilnehmer die Facebook-Datenschutz-Richtlinie nicht gelesen hatten und auch wenig darüber wussten, für welche Zwecke ihre Daten verwendet werden (vgl. Acquisti/Gross 2006:18). Erstaunlicherweise zeigte sich, dass Personen, welche angegeben haben, die Richtlinien gelesen zu haben, auch nicht mehr wussten als die Nicht-Leser. Des Weiteren wird bemängelt, dass NutzerInnen das Interface für die detaillierten Privatsphären-Einstellungen als verwirrend und zeitaufwendig fanden. Es wird auch nach der Veränderung von Einstellungen nicht klar ersichtlich, wie sich diese auf die Zugänglichkeit spezifischer persönlicher Daten auswirken. Das Misstrauen der NutzerInnen gegenüber Facebook hat seine Wurzel in der fehlenden Transparenz und der mangelnden Kontrollierbarkeit.

    Die NutzerInnen sozialer Netzwerke brauchen möglichst detaillierte Möglichkeiten zur Einschränkung der Sichtbarkeit der von ihnen auf der Plattform veröffentlichten Informationen und mehr Medienkompetenz, damit sie weniger „hinters Licht“ geführt werden. Medienkompetenz ist somit nicht nur der Schlüssel zur Teilhabe an der digitalen Gesellschaft – Medienkompetenz bzw. fehlende Medienkompetenz hat auch eine Auswirkungen auf die „Offline-Welt“: auf gesellschaftliche Teilhabe, auf Bildung oder auf den sozialen Aufstieg (vgl. Özoguz 2011: 35).

 

Artikel als PDF

 

Quellen:

Acquisti, Alessandro/Gross, Ralph (2006): Imagined communities: Awareness, information sharing, and privacy on the Facebook. URL: http://privacy.cs.cmu.edu/dataprivacy/projects/facebook/facebook2.pdf ;

Abgerufen am 02.09.2009)

Kretschmer, Birthe/Werner, Frederic (2011): Die digitale Öffentlichkeit. Wie das Internet unsere Demokratie verändert. Friedrich-Ebert-Stiftung. S. 35

Gross, Ralph/Acquisti, Alessandro (2005): Information revelation and privacy in online social networks. In Proceedings of the 2005 ACM workshop on Privacy in the electronic society, S. 71–80. ACM.

Trepte, Sabine/Masur, Philipp. K. /Teutsch, Doris (2014): Measuring Internet Users‘ Online Privacy Literacy. Development and Validation of the Online Privacy Literacy Scale (OPLIS). Manuskript in Vorbereitung. In: Folienvortrag. Gefällt mir (nicht): Das Social Web als Spannungsfeld zwischen Selbstoffenbarung und Datenschutz. Masur, Philipp K. S.23. http://imk.azlink.de/pluginfile.php/2636/course/section/638/Masur_Vortrag_ver.di_2014.pdf

Trepte, Sabine/Masur, Philipp. K. / Thilo von Pape (2014): Privatheit im Wandel? Eine repräsentative Umfrage und eine Inhaltsanalyse zur Wahrnehmung von Privatheit in Deutschland. Folienvortrag. S.12 Webseite

Strater, Katherine/Lipford H.R. (2008): Strategies and struggles with privacy in an online social networking community. In Proceedings of the 22nd British HCI Group Annual Conference on HCI 2008: People and Computers XXII: Culture, Creativity, InteractionVolume 1, S. 111–119. British Computer Society.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/verbaucherzentralen-mahnen-facebook-wegen-neuen-agbs-ab-13451604.html

http://www.heute.at/news/multimedia/art23657,1130061

http://www.augsburger-allgemeine.de/digital/Verbraucherschuetzer-mahnen-Facebook-ab-id33191157.html

http://www.vzbv.de/pressemeldung/facebook-fuehrt-nutzer-die-irre

http://www.bild.de/digital/internet/facebook/verbraucherschuetzer_wollen_facebook_verklagen-39933588.bild.html

http://www.focus.de/digital/computer/internet-verbraucherschuetzer-mahnen-facebook-ab_id_4504830.html?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

http://www.haz.de/Nachrichten/Medien/Netzwelt/Verbraucherschuetzer-mahnen-Facebook-ab

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-agb-verbraucherschutz-gegen-nutzungsbedingungen-a-1020584.html

http://www.mimikama.at/allgemein/facebook-fhrt-nutzer-in-die-irre/

http://www.pnp.de/nachrichten/computer_und_internet/1601037_Verbraucherschuetzer-mahnen-Facebook-ab.html

http://www.vzbv.de/pressemeldung/urteil-facebook-muss-sich-deutsches-datenschutzrecht-halten

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