„Social Media Tuesday“: Ein Schritt in die digitale Zukunft des Journalismus

22.07.2014. Ein Beitrag von Carina Wiesinger und Susanne Praß für die Forschungsgruppe Medienwandel.

Die Resonanz in sozialen Netzwerken kann Journalisten bei der Arbeit sehr nützen. Zu viel davon schadet aber der Qualität und der Informiertheit.

Die US-amerikanische Tageszeitung USA Today hat in ihrer Redaktion den „Social Media Tuesday“ eingeführt. An Dienstagen sollen Journalisten ihre eigenen Artikel selbst in sozialen Netzwerken, wie Facebook, Twitter und Co., teilen und bewerben. Laut Herausgeber Larry Kramer eine gute Schule für die Redakteure, das Nachrichtenkonsumverhalten ihrer Leserschaft besser zu verstehen und mehr Nähe zu ihr aufzubauen. Denn die Rezeptionsmuster haben sich gewandelt. Zunehmend werden Leser erst über ihre Facebook-Timeline oder Twitter-Feeds auf aktuelle Themen und Nachrichten aufmerksam – und das unabhängig von der Relevanz der Nachrichten.

Initiativen wie diese haben USA Today geholfen, die durchschnittliche monatliche mobile Leserschaft auf mehr als eine Viertel Million zu erhöhen, ein Anstieg von fast 50 Prozent im letzten Jahr.

USA Today gehört zur Verlagsgruppe Gannett, eine der größten amerikanischen Zeitungsketten, die fast 100 Tageszeitungen und über 40 Fernsehsender besitzt. Einige Online-Ausgaben können nur gegen Bezahlung gelesen werden. Bei USA Today ist noch nicht entschieden, ob die Leser zukünftig für Inhalte zahlen müssen. Bei dem Engagement, das Umdenken ihrer Redakteure in Richtung Online zu fördern, ist die Zeitung ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus.

Social Media – der Ausweg aus der Zeitungs-Krise?

Die Idee ist gut! Eine praktische Schulung für Redakteure, ihre Artikel besser zu vermarkten, die Mechanismen der Social Media Politik besser zu verstehen und die Bindung zu ihren Lesern zu stärken. Vor allem junge Leser informieren sich oft über ihre Facebook-Timeline über aktuelle Nachrichten und Ereignisse und darauf müssen Redaktionen reagieren. Die Zusammenlegung von Print- und Online-Redaktionen ist zum Standard geworden und entsprechende Fortbildungen stehen auf der Tagesordnung.

Allerdings können diese digitalen Reformen die Verluste bei den Print-Produkten noch keineswegs wettmachen. Schielen Journalisten zu sehr auf den Erfolg einzelner Artikel in den sozialen Netzwerken, geraten redaktionelle Qualitätsstandards unter Druck. Die Folgen für die Informiertheit der Leser sind genauso unklar wie die Erfolgswahrscheinlichkeit, Social Network User als zahlungsbereite Kunden zu gewinnen.

Je größer die Rolle der sozialen Netzwerke bei der Themengenerierung und Aufarbeitung von Inhalten im journalistischen Alltag wird, desto größer wird auch ihre Macht: Per Twitter lassen sich relevante Nachrichten abonnieren und zu einem individuellen Nachrichtenticker zusammenstellen. Neben den klassischen Nachrichtenmedien sind auf Twitter aber viele PR-Agenten, Multiplikatoren und interessengebundene Meinungsmacher aktiv.

Social media helfen Journalisten bei der Selbstevaluierung ihrer redaktionellen Beiträge. Als bevorzugter oder gar einziger Erfolgsmaßstab für journalistische Leistungen sind diese Kanäle aber nicht geeignet. Social media ist für Journalisten wie Schokolade zu essen. Ein Mal pro Woche hebt die Stimmung. Mehr ist ungesund.

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